Die Bremer Baumwollbörse stellt ein neues Papier zum Download zur Verfügung. Die Analytikerin Veronica Bates Kassatly und der Statistiker Terry Townsend untersuchen darin die Hintergründe aktueller Ansätze zur Rückverfolgbarkeit und bewerten deren Auswirkungen auf Aussagen zu Umwelt- und Sozialwirkungen in der Textil- und Bekleidungsindustrie sowie auf regulatorische Entwicklungen weltweit.
Polyester dominiert mit nahezu 60 Prozent die globale Faserproduktion, während Baumwolle etwas mehr als 20 Prozent und Wolle rund 1 Prozent ausmachen. Lediglich 12 Prozent des Polyesters sind recycelten Ursprungs, wobei 98 Prozent dieses Anteils aus PET-Flaschen der Getränkeindustrie stammen. Eine Rückverfolgbarkeit für neu produziertes Polyester existiert bislang nicht, ebenso fehlen entsprechende Zertifizierungssysteme.
Der Bericht mit dem Titel „Fiber Traceability – a Vehicle to Ensure Sustainability or Injustice?“ beleuchtet zentrale Problemfelder. Dazu gehört unter anderem der Einsatz von mehr als 2.500 Chemikalien bei der Herstellung der gebräuchlichsten Form von Polyesterfasern, PET. Von diesen Chemikalien gelten 800 als hochgefährlich. Zudem sind über 1.600 weitere Chemikalien, die mit PET in Verbindung stehen, bislang nicht getestet. Im Vergleich dazu kommen bei Baumwolle weltweit deutlich weniger (135) hochgefährliche Chemikalien zum Einsatz.
Weitere Ergebnisse zeigen, dass der Wasserfußabdruck von Polyesterfasern fünf- bis siebenmal höher ist als der von Baumwolle. Darüber hinaus stammt etwa ein Fünftel des weltweit produzierten Polyesters von fossilen Rohstoffen aus sanktionierten Ländern, wodurch Handelsströme indirekt zur Umgehung von Sanktionen beitragen können.
Die Veröffentlichung richtet sich an Fachleute aus Industrie, Politik und Forschung sowie an alle, die sich mit regulatorischen Fragen und Wirkungsbehauptungen in der Textilbranche befassen.
