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30. März 2020 / Landwirtschaft der Zukunft! – Wie Digitalisierung Antworten für Farmer und Umwelt liefert

Interview mit Katharina Au, Expertin für Digital Solutions & Strategy bei Bayer CropScience, Deutschland.

Katharina Au, Expertin für Digital Solutions & Strategy bei Bayer CropScience, Deutschland

Die Landwirtschaft steht unter öffentlichem Druck und gleichzeitig vor großen Herausforderungen. Es geht darum, den Umgang mit vorhandenen knappen Ressourcen wie Boden und Wasser mit Blick auf die Zukunft verantwortlich zu gestalten. Parallel dazu müssen mit Blick auf vermehrt auftretende extreme Witterungsbedingungen mit Trockenheit und Stürmen sowie starken Regenfällen Antworten gefunden werden. Die entscheidenden Fragen sind: Wie wird die Landwirtschaft der Zukunft aussehen? Kann Digitalisierung hierzu einen Beitrag leisten? Die Redaktion des Bremen Cotton Report diskutierte über das Thema mit Katharina Au, Expertin für Digital Solutions & Strategy bei Bayer CropScience, Deutschland.

Cotton Report:Was sind Handlungsfelder der Landwirtschaft der Zukunft?

Katharina Au: Verbraucher,die Politik sowie auch die Akteure der Landwirtschaft diskutieren derzeitintensiv über die Notwendigkeit einer Neuausrichtung der Landwirtschaft.Handlungsfelder liegen aus unserer Sicht im Bereich des ‚Magischen Dreiecks‘von ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Nachhaltigkeit. Wobei es darumgeht, die drei Kernelemente des Dreiecks unter Berücksichtigung von regionalenGegebenheiten in ausgewogener Balance zu halten. Für die Landwirte selbst darfdabei die Klärung von Fragen nach der Wirtschaftlichkeit von Zukunftsstrategiennicht zu kurz kommen.

Was bringt die Digitalisierung?

Meiner Meinung nach kann Digitalisierung dabei helfen, moderne Landwirtschaft nachhaltig produktiver zu gestalten. Ganz konkret können uns digitale Tools dabei helfen, Wasser- und Energieeinsatz zu optimieren, den Boden besser zu schützen und Betriebsmittel noch zielgerichteter und präziser einzusetzen.

Digitalisierte Karte des Farmlandes – © Bayer

Wie wird das erreicht?

Zunächst einmal kann Digitalisierung dabei helfen, Wissen über die Flächen und die angebauten Kulturen breit verfügbar zu machen. Informationen über Wachstum der Kulturen, Bedarfsrechnung für Düngung und den Status der Pflanzengesundheit können über digitale Technologien einfach zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus hilft uns Digitalisierung dabei, auch die Ausbringung von Betriebsmitteln standortspezifisch zu optimieren und sehr präzise zu arbeiten.   Gleichzeitig kann auch ein Beitrag zur Minderung des ökologischen Fußabdruckes der Landwirtschaft mit weniger CO2-Emissionen geleistet, aber auch die Balance zwischen produktiver Bewirtschaftung und Biodiversität verbessert werden.

Welche Rolle spielen Roboter undDrohnen?

Es gibt extrem viele Projekte, die sich mit Robotern in der Landwirtschaft beschäftigen. Und sicherlich gibt es auch sehr viele unterschiedliche Anwendungsfelder, wie zum Beispiel als Ergänzung zu chemischem Pflanzenschutz in der Unkrautbekämpfung, als Ernteerleichterung in zahlreichen Kulturen. All diese Projekte gehen in die Richtung der Einzelpflanzenbearbeitung – auch das ist ein Weg Richtung Präzision, die ich ja vorher schon einmal beschrieben habe. Ich persönlich glaube aber nicht unbedingt daran, dass wir in naher Zukunft nur noch Roboterschwärme auf den Feldern sehen werden. Aber konkrete einzelne Applikationen können damit sicherlich umgesetzt werden.

Drohne über Weizenfeld – © Bayer

Auch dieEinsatzmöglichkeiten von Drohnen sind vielfältig. Zum einen werden sieergänzend zu Satellitenbildern genutzt, um Bildaufnahmen zur Statusanalyse zugenerieren und so einen höheren Detailgrad an Informationen zu bekommen, denSatellitenbilder nicht bereitstellen können. In Asien werden Drohnen auch schonheute sehr intensiv zur Betriebsmittelausbringung eingesetzt. Auch in Eu­ropagibt es dazu einige Entwicklungsprojekte, die aber in erster Linie auch hierauf ganz spezielle Anwendungsfälle gerichtet sind, wie zum Beispiel dieBehandlung von Steillagen im Wein.

Wie entwickeln sichGeschäftsmodelle von Bayer durch Digitalisierung?

Wir betrachtenDigitalisierung neben den Sparten Saatzucht und Pflanzenschutz als drittebedeutende Säule innerhalb der Unternehmensstrategie von Bayer.

Ich bin davon überzeugt, dass Digitalisierung uns dabeihelfen kann, noch bessere Lösungen für die Herausforderungen der Kundenanzubieten – und dabei auch durch Innovation neue Marktstandards zu setzen. Wirarbeiten langfristig auch an ergebnisorientierten Geschäftsmodellen, bei denenwir eine Wertschöpfung nicht über das verkaufte Volumen eines Betriebsmittelserzielen, sondern über das erzielte Ergebnis auf dem Hektar. Aber das istsicherlich noch ein langer Weg.

Was verbirgt sich hinter demStichwort ‚Climate FieldViewTM‘?

Climate FieldViewTM ist unser Einstieg indie digitale Landwirtschaft. Es handelt sich um eine Plattform, die alle Datender täglichen Arbeit in einem landwirtschaftlichen Betrieb vereinfachtzusammenführt und so einen Ort bietet, um mithilfe einfacher Navigation undKartenvisualisierungen ein noch besseres Verständnis und Einblicke in jedeneinzelnen Hektar zu bekommen. So können bessere agronomische Entscheidungengetroffen werden mit dem Ziel, Ertrag zu maximieren und Risiken zu minimieren.

Welche Art von Informationenstellt das System zur Verfügung?

Ganz konkret werden zum einen Informationen über die Bestandsentwicklung in der Saison mit Hilfe von Satellitenbildern bereitgestellt. Darüber hinaus hat ein Betrieb die Möglichkeit, Bodenkarten oder historische Erntedaten zu importieren. Mit Hilfe des FieldView Drives werden aber vor allem maschinenunabhängig alle Maßnahmen und die Ernte aufgezeichnet und in der Climate FieldView Plattform aufbereitet. So hat ein Betrieb sehr einfach die Möglichkeit, die verschiedensten Informationen zu vergleichen und zu analysieren. Darauf aufbauend entwickeln wir aktuell Module, in denen wir konkrete Entscheidungen auch mit standortspezifischen Empfehlungen unterstützen. Zum Beispiel können wir schon standortspezifische variable Aussaatkarten im Körnermais anbieten. Aber damit ist es noch nicht getan. Wir arbeiten auch an der Optimierung des Dünger- und Pflanzenschutzeinsatzes.

Digitale Landwirtschaft mit Bayer CropScience – © Bayer

Können die neuen Technologien auchin den Entwicklungsländern genutzt werden?

Ich glaube, dass der technologische Fortschritt geradeauch in Entwicklungsländern einen riesigen Fortschritt bringen kann und wird.Sicherlich sprechen wir hier dann von anderen Anwendungsfällen als inhochentwickelten Ländern in Europa oder großstrukturierten Märkten wieBrasilien und der Ukraine.

Der Fokus in denEntwicklungsländern liegt auch hier auf der Bereitstellung von In­formationen,die ohne digitale Technologien vielleicht gar nicht verfügbar wären – schon einguter Wetterbericht und Prognosen über Krankheits- und Schädlingsdruck oder dieHilfe bei der Erkennung von Problemen können eine große Hilfe sein. Auch hiergeht es immer wieder um ein besseres Risikomanagement und das Absichern undSteigern von Produktivität.

Wie lange wird es dauern, bis sichDigitalisierung durchgesetzt hat?

Die Landwirtschaft braucht Innovationen. DigitaleLösungen für Pflanzenschutz in Verbindung mit modernen Züchtungsmethoden derneuen Generation werden zukünftig unzweifelhaft eine bedeutende Rolle inlandwirtschaftlichen Prozessen spielen. Digitalisierung ist dabei ein großerund breiter Begriff. Es ist ja nicht so, dass bis heute keinerleiDigitalisierung in der Landwirtschaft angekommen ist. Aber ich bin auch sicher,dass wir durch die verschiedensten digitalen Technologien noch weitere riesigeFortschritte für die Landwirtschaft bringen können. Aber ich bin auch davonüberzeugt, dass Digitalisierung kein Allheilsbringer ist – am Ende istLandwirtschaft ein Gesamtsystem im Zusammenspiel mit der Natur. Und es müssenalle Puzzleteile zusammenpassen, um das Optimum zu erreichen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Interviews in der Rubrik „Nachgefragt“ entsprechen der Meinung des jeweiligen Interviewpartners und geben nicht die Position der Bremer Baumwollbörse als neutrale, unabhängige Institution wieder.

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