Baumwollbörse

BREMER BAUMWOLLBÖRSE: STAFFELSTABÜBERGABE IM PRÄSIDIUM

Mit Stephanie Silber steht seit Juni erstmals eine Frau als Präsidentin an der Spitze der Bremer Baumwollbörse. Sie übernahm das Amt von Jens D. Lukaczik, der die Bremer Baumwollbörse die letzten zwei Jahre führte. Im Gespräch mit der Cotton Report-Redaktion zur Amtsübergabe Anfang Juli verdeutlichen beide die Position der Bremer Baumwollbörse innerhalb der globalen Baumwolllieferkette, gleichzeitig definieren sie neue Aufgabenbereiche. Dies mit dem Ziel, aktuelle und zukünftige Herausforderungen zu meistern. Dabei wird auch an Branchenkritik nicht gespart.

JENS D. LUKACZIK, Vizepräsident Bremer Baumwollbörse und geschäftsführender Gesellschafter Cargo Control Germany GmbH & Co. KG, und STEPHANIE SILBER, Präsidentin Bremer Baumwollbörse und Geschäftsführerin Otto Stadtlander GmbH, beide Bremen,
im Gespräch mit der Cotton Report Redaktion

„Auf eine Zigarette mit …“: die Zeiten des Rauchens sind in der Bremer Baumwollbörse seit langem vorbei. Dennoch hatte die neue Präsidentin für den scheidenden Präsidenten eine Schachtel guter Zigarren mit im Gepäck. Damit erinnerte sie an die Rubrik einer großen deutschen Wochenzeitung und sorgte für aufgelockerte Stimmung während der informativen Gesprächsrunde.

Cotton Report: Herr Lukaczik, was hat im Rückblick Ihre Amtszeit besonders geprägt?

Jens D. Lukaczik: Die zwei Jahre meiner Amtszeit von Juni 2018 bis Juni 2020 sollten sich durch Konsolidierung auszeichnen – dies war auch das Ziel des gesamten Präsidiums. Die Jahre zuvor waren durch viele Veränderungen und Investitionen geprägt. Wir haben das Schiff auf Kurs gehalten, bei gleichbleibender Geschwindigkeit. Trotzdem haben wir einiges erreicht. Zu den größeren Vorhaben gehörte die Vertiefung unserer Beziehung mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Unsere Zusammenarbeit mit der GIZ beruht auf Vertrauen und Verlässlichkeit. Zudem haben wir unser Arbeitsspektrum im Hause heute deutlich auf die gesamte Baumwolllieferkette ausgeweitet. Dies mit dem Ziel, Retailer und auch Endverbraucher direkt anzusprechen. Damit schließen wir eine für die Baumwollwirtschaft und die Baumwollbörse wichtige Kommunikationslücke.

Wie unterscheidet sich die gerade zu Ende gegangene Präsidentschaft von Ihrer ersten Amtszeit 2011/12?

Jens D. Lukaczik: Hier gibt es gravierende Unterschiede. Meine erste Amtszeit von 2010 bis 2012 war für die Baumwollbörse wie ein Aufbruch zu neuen Ufern. Wir haben da eine entscheidende Neuorientierung und Umstrukturierung auf den Weg gebracht. Das Präsidium hat das Drei-Säulen-Modell für die Führung in Anlehnung an die Aufgaben der Baumwollbörse entwickelt ebenso wie eine neue Strategie der internationalen Zusammenarbeit. Die Gründung von ICA Bremen zusammen mit der ICA Liverpool verdeutlicht unseren Anspruch, globales Zentrum für Baumwollqualität und -prüfung hier in Bremen zu sein. Besonders wichtig war es uns in diesem Zusammenhang, „Bremen“ als wichtigen Teil des Markennamens zu etablieren und in der Baumwollwelt zu verankern. Damit sind umfangreiche Investitionen in die Laborausstattung einhergegangen, mit denen die Bremer Baumwollbörse zunächst ins unternehmerische Risiko lief. Alles in allem war dies ein anspruchsvolles Fahrwasser und nicht zu vergleichen mit der relativ seichten Fahrt der letzten beiden Jahre.

Ihr Unternehmen Cargo Control ist ein Dienstleister im Netzwerk des Baumwollhandels. Was sind derzeit Ihre Herausforderungen?

Jens D. Lukaczik: Als Dienstleister im Baumwollhandel ist für uns die wesentliche Frage, ob die Häfen funktionsfähig sind. Die aktuelle Pandemie stellt uns als global operierendes Unternehmen vor einige Herausforderungen. Wir versuchen, uns auf die vielen unterschiedlichen Maßnahmen und ihre Umsetzung in den Ländern einzustellen und unsere Dienstleistungen weiterhin bestmöglich anzubieten. Manchmal führt das zu Konflikten zwischen Kundenwünschen und Regelkonformität. Viele Folgen können wir nicht beeinflussen. Langfristig stellt sich für uns die Aufgabe, mit einem veränderten Nachfrageverhalten umzugehen.

Herr Lukaczik, was geben Sie Frau Silber als Empfehlung für ihre Präsidentschaft mit auf den Weg?

Jens D. Lukaczik: Ich bin weit davon entfernt, einen Tipp zu geben. Frau Silber hat als Freigeist neue Ideen, die soll sie umsetzen, ohne womöglich beeinflussende Ratschläge von mir. Wir können auf eine tolle und verlässliche Zusammenarbeit im Präsidium zurückblicken. Ich bin überzeugt, das wird so bleiben.

Frau Silber, Produktion, Handel und Verarbeitung waren in den letzten zwei Jahren von Unsicherheit geprägt. Jetzt kommt noch eine Pandemie dazu. Was bedeutet das heute und in Zukunft für die Baumwollwirtschaft?

Stephanie Silber: Über die langfristigen Auswirkungen können wir derzeit nur spekulieren, da nicht absehbar ist, wie lange uns das Coronavirus noch beschäftigen wird. Was wir aktuell sehen beziehungsweise gesehen haben, sind viele Länder mit Lockdowns. Wir hatten die Situation, dass Retailer ihre Textilaufträge stor­nierten, die teilweise schon produziert waren. Die allgemein große Verunsicherung führte zu Verschiebungen von Kontrakten. Im Prinzip ist die ganze Nachfrageseite zusammengebrochen. Auf der anderen Seite sehen wir weiterhin große Erntemengen an Baumwolle, zum Beispiel in Brasilien oder Westafrika. Das wird dort ein größeres Problem sein, denn schließlich können die Produzenten schon allein aus Liquiditätsgründen die Ware nicht unbegrenzt vorhalten. Baumwolle gibt es derzeit an jeder Ecke, könnte man sagen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Auswirkungen des Lockdowns und des Nachfrageeinbruchs am Anfang der Lieferkette angekommen sind. Denn zu guter Letzt wird dieser desaströse Dominoeffekt durch die Händler und Farmer aufgefangen.

Gibt es hierbei für die Baumwollbörse eine Aufgabe?

Stephanie Silber: Ich glaube, es ist wichtig, bei Retailern und den Endkonsumenten das Bewusstsein für die Konsequenzen als Folge ihrer Handlungen in der Lieferkette deutlich zu machen. Natürlich können wir den Menschen nicht vorschreiben: ‚Kauft wieder mehr!‘. Da hält der ein oder andere sicherlich aus guten Gründen das Geld derzeit zusammen. Aber es sollte deutlich werden, dass in der Lieferkette Millionen von Arbeitsplätzen und Existenzen am Konsum von Baumwolltextilien hängen. Schlussendlich trifft es dort die Schwächsten in der Kette. Wir können die Baumwolle nicht wieder in die Erde zurück stecken. Es muss etwas getan werden, damit der Umsatz im Textil-und Bekleidungshandel und damit auch der Industrie wieder in Schwung kommt. Mal ehrlich: ‚Abstand halten‘, ‚Maske tragen‘ und ‚Hygiene‘ sind ein Muss. Dies,  obwohl ‚Maske tragen‘ beim Einkauf gewöhnungsbedürftig ist. Der hier und da von Handelsverbänden vorgebrachte Vorschlag, die Regierung solle Einkaufsgutscheine an Konsumenten verteilen, wäre vielleicht ein probates Mittel gewesen. Doch die Entscheidung darüber ist nicht Sache der Baumwollbörse. Das heißt aber für uns, wir müssen mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln Lust auf eine vermehrte Verwendung von Baumwolle und den Kauf von Baumwollprodukten machen.

Frau Silber, wie wird sich die Branche in den nächsten 10 bis 15 Jahren verändern?

Stephanie Silber: Ein Ausblick in die Zukunft, ohne die Corona-Pandemie zu berücksichtigen, ist nicht möglich. Die Auswirkungen werden so massiv sein, dass sie uns noch mindestens zwei bis drei Jahre beschäftigen. Zuversichtlich stimmt mich, dass Baumwolle über sehr positive Merkmale und Eigenschaften verfügt, die uns als Konsumenten immer schon überzeugt haben. Schließlich gehört Baumwolle laut Umfragen zu den präferierten Fasern beim Kauf. In diesem Zusammenhang ist es, wie bereits erwähnt, eine wichtige Aufgabe der Bremer Baumwollbörse, die Vorteile der Baumwolle stärker und vor allem gezielt zu kommunizieren.

Da bietet auch die teilweise Rückbesinnung auf alte Werte während des Lockdowns einen Ansatzpunkt. Das Einkaufsverhalten hat sich verändert, man legt mehr Wert auf ‚Regionalität‘ oder Erzeugung mit Nähe zu den Konsummärkten und Qualität. Wir können mehr Bewusstsein dafür schaffen, dass Baumwolle eine natürliche, nachwachsende, nachhaltige Faser ist, die recyclingfähig und zudem biologisch abbaubar ist. Den Marktanteil der Baumwolle gegenüber anderen Faserarten um ein oder zwei Prozent zu erhöhen, würde schon ein stark positives Signal für die Lieferketten sein.

Wo sehen Sie aktuell noch Verbesserungsmöglichkeiten?

Stephanie Silber: Wir kommen hierbei immer wieder auf die Funktionsfähigkeit der Lieferketten und Vertragstreue zurück. Eine Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Und in der Branche gibt es viele unterschiedlich starke Spieler, manchmal mit Arbeitsweisen, bei denen Partner auf der Strecke liegen bleiben, was moralisch nicht akzeptabel ist. Ob hier die Digitalisierung etwa in Form von Blockchain mehr Transparenz und dadurch Abhilfe schaffen kann, wird die Zukunft zeigen.

Jens D. Lukaczik: Noch immer kommen Fälle vor, in denen zum Beispiel organische Baumwolle, die keine ist, am Markt mit gefälschtem Zertifikat angeboten wird. Damit verwässert man die Seriosität von Zertifikaten zu Lasten aller, die ehrliche Geschäfte betreiben. Gesetzliche Regelungen einzelner Länderregierungen, wie sie etwa Deutschland mit einem Lieferkettengesetz plant, dürften aber in einer globalisierten Weltwirtschaft kaum Wirkung zeigen.

Wo sind Handlungsfelder der Bremer Baumwollbörse in den nächsten zwei Jahren?

Stephanie Silber: Ausgehend von Corona – denn das ist die Situation, die wir gerade haben – wird es um den Zusammenhalt gehen. Im Mittelpunkt stehen die Zusammenarbeit und der Zusammenhalt der einzelnen Segmente vom Produzenten bis zur Spinnerei und der Weiterverarbeitung in der Baumwolllieferkette. Dabei ist wichtig, dass alle Partner im komplexen Netzwerk der Beschaffungskette an einem Strang ziehen. Zudem hat Corona auch deutlich gemacht, dass wir die Arbeitsweisen ändern können, indem wir die Digitalisierung in der Branche vorantreiben. Erzwungen durch die Situation hat sich dies zum Beispiel daran gezeigt, wie viele Meetings und Seminare zeitsparend auch digital erledigt werden konnten. So gewinnen digitale Alternativen durch die Krise an Bedeutung. Klar muss aber sein, dass diese einen persönlichen Kontakt nie vollständig ersetzen können und ein ‚sowohl als auch‘ die Regel werden dürfte.

Jens D. Lukaczik: Im März 2021 findet die Internationale Baumwollkonferenz Bremen als eines der großen Branchentreffen statt. Im Zusammenhang gilt für uns, dass wir verantwortlich vorgehen müssen und die Konferenz nur unter absolut sicheren Bedingungen stattfinden lassen. Das heißt, ohne einen wirksamen Impfstoff zur Verringerung der Infektionsgefahr bei Großveranstaltungen sehe ich das Risiko einer Präsenzveranstaltung als zu hoch an. Wir als Bremer Baumwollbörse dürfen unsere Interessen als Dienstleister der Branche nicht vor die Gesundheit anderer stellen.

Stephanie Silber: Da möchte ich ergänzen, bereits in diesem Jahr haben wir als eine der ersten Organisationen der Baumwollbranche das Risiko gesundheitlicher Gefahren erkannt. Ohne dass es schon staatliche Vorgaben gab, haben wir durch eine frühzeitige Verschiebung der für 2020 bereits vollständig durchgeplanten Tagung Planungssicherheit geschaffen. Wir haben damit Verantwortung für Besucher, Referenten und unsere Mitarbeiter übernommen. Auch für 2021 muss dieses Prinzip Anwendung finden. Im Vorstand haben wir bereits frühzeitig über alternative Veranstaltungsformate diskutiert, um sie anzuwenden, falls es die Situation erforderlich macht.

Wie geht das von Ihnen geleitete Baumwollhandelsunternehmen Otto Stadtlander GmbH mit der schwierigen Marktlage um?

Stephanie Silber: Der Umgang mit Veränderung gehört zu unserem täglichen Geschäft im internationalen Baumwollhandel. Ob es nun um Veränderungen bei den Preisen oder Bezugsländern geht oder den seit Jahren schwelenden Handelskonflikt zwischen China und den USA. Es ist für uns essentiell, aufmerksam zu sein und schnell zu reagieren. So beobachten wir sehr genau, wie sich aktuell die Lage in den verschieden Ländern entwickelt. Lieferketten sind ja nie feststehend, sondern folgen den günstigsten Bedingungen. Neu an der Corona-Pandemie ist, dass es sich um ein weltweites Ereignis handelt und zu Anfang viele Akteure in einer Art Schockstarre verharrten.

Zum Ende Ihrer Amtszeit feiert die Baumwollbörse ihr 150. Jubiläum. Ein Grund, nostalgisch in die Vergangenheit zu schauen?

Stephanie Silber: Kein Grund, nostalgisch zu sein, aber definitiv einer zu feiern. Unsere Branche hat in den letzten fast 150 Jahren drastische Veränderungen erlebt. Die Bremer Baumwollbörse hat es durch ihr Knowhow in Qualitätsfragen, ihre Autorität als Schiedsgericht der Branche und ihr internationales Handeln und ihre Neutralität geschafft, sich immer wieder neu zu positionieren. Dies trotz eines permanenten Wandels der globalen Handels- und Beschaffungsstrukturen. Wir sind stolz auf diese Leistungen und blicken deshalb mit Zuversicht nach vorne.

Persönlich gefragt: Was mögen Sie beide an Baumwolle?

Jens D. Lukaczik: So ziemlich alles, aber beim heutigen Sommerwetter ganz speziell meine Jeans und das luftige Baumwollhemd [Anm. der Redaktion: es sind ca. 30° C Außentemperatur zum Zeitpunkt des Interviews]. Faszinierend ist für mich die globale Vernetzung der Lieferkette vom Bauern im Entwicklungsland bis zum Textilproduzenten im Hochindustrieland.

Stephanie Silber: Kurz und knapp: Weil Baumwolle wahnsinnig vielfältig ist und sowohl das Produkt als auch der Markt unheimlich spannend sind. Ich schätze vor allem auch die Menschen, die in unterschiedlichen Segmenten der Beschaffungskette mit und für Baumwolle arbeiten.

Vielen Dank für das Gespräch!

Alle Fotos: © Bremer Baumwollbörse, Fotograf Carsten Heidmann

CHANCEN FÜR BAUMWOLLE: EUROPÄISCHE UNION WILL PLASTIKSCHWEMME REDUZIEREN

Wegen der negativen Umweltauswirkungen will die Europäische Union Plastikmüllberge verkleinern und dazu beitragen, dass die Meeresvermüllung sowie die Verunreinigung durch Mikroplastik abnimmt. Über gesetzliche Rahmenbedingungen nimmt die europäische Legislative Einfluss auf die Art und Weise, wie Wirtschaft und Gesellschaft Plastikprodukte entwickeln, produzieren und letztendlich verwenden. Dort wo möglich, sollen Produkte aus Alternativmaterialien zu Plastik zum Einsatz kommen. Dies kann auch Baumwolle sein.

Plastikmüll als Problem

Europa produziert nach Informationen der EU-Kommission pro Jahr 58 Millionen Tonnen Plastik, 25 Millionen Tonnen davon sind Abfälle. Der größte Teil der Plastikrohmaterialien basiert auf dem fossilen Brennstoff Erdöl. 2050 könnte Plastik 20 Prozent des Ölkonsums ausmachen und mit 15 Prozent zu Treibhausgas-Emissionen beitragen. Die EU-Kommission warnt, dass 2050 mehr Plastik im Meer schwimmen könnte als Fische. Zu den häufigsten an europäischen Stränden gefundenen Einwegplastikprodukten zählen u. a. Zigarettenkippen, Luftballons, Nahrungsmittelverpackungen, Becher, Deckel, Flaschen, Beutel, Strohhalme, Chipstüten, Wattestäbchen und Tampons.

Aufgrund seiner Langlebigkeit sammelt sich Plastik in der Umwelt an und schädigt wichtige Ökosysteme. Bis zur vollständigen Zersetzung vergehen mehr als 400 Jahre.

Mikroplastik gelangt zum einen als Rohstoff in Hygiene- und Industrieprodukten, zum anderen als Zerfalls­produkt von Plastikartikeln in die Umwelt.

Neben Plastikprodukten sind auch der Abrieb von Autoreifen und synthetische Fasern infolge Waschens eine wesentliche Ursache von Mikroplastik im Meer. Nach Informationen der EU liegt der Anteil von Mikroplastik aus Textilien bei 80 bis 400 Tonnen jährlich. Über die Nahrungskette gelangt das Mikroplastik bis auf unsere Teller.

Die Initiative der europäischen Politik

Ziel der europäischen Strategie für Kunststoffe in einer Kreislaufwirtschaft ist es, bis 2030 alle Plastikverpackungen mehrfach zu nutzen oder recycelbar zu machen. Überall dort, wo bessere Alternativen zur Verfügung stehen, sollten diese statt Plastik zum Einsatz kommen.

Im März 2019 beschloss das EU-Parlament ein Verkaufsverbot von Einweg-Kunststoffartikeln ab Juli 2021. Hierzu zählen Einwegbestecke aus Kunststoff, Plastikstrohhalme oder Wattestäbchen aus Kunststoff. Für diese gibt es aus Sicht der EU-Politik bereits Alternativen aus umweltfreundlicheren Materialien.

Damit nicht genug: Bis 2030 müssen die vom EU-Parlament festgelegten Recyclingziele von den Mitgliedsstaaten umgesetzt werden. Zudem wurde eine verpflichtende Kennzeichnung von einigen Einwegkunststoffen beschlossen, die über die schädlichen Umweltauswirkungen informiert. Betroffen sind davon zum Beispiel feuchte Reinigungstücher und Hygieneeinlagen.

Wo Baumwolle eine lohnenswerte Alternative sein kann

Nach Ansicht der Bremer Baumwollbörse kann in einigen wesentlichen Produktbereichen Baumwolle als Alternativmaterial zu Plastik zum Einsatz kommen und zur Abfallvermeidung beitragen. Dies gilt nicht nur für ihren wesentlichen Verwendungszweck in Textilien und Bekleidung. Baumwolle hält mehr und mehr Einzug im Bereich technischer Textilien für den Leichtbau oder in der Automobil- und Flugzeugbranche, etwa  zur Herstellung von biobasierten Materialien oder von Vliesstoffen für Produkte im Gesundheits- und Hygienebereich. Im Einzelhandel, etwa in Drogerieketten, werden vermehrt Produkte aus 100 Prozent Baumwolle angeboten. Dies gilt zum Beispiel für Monatsbinden oder Tampons, Wattepads, Watte, Reinigungstücher und andere Körperpflegeprodukte sowie Baumwollwattestäbchen mit Papierschaft. Auch bei Babywindeln findet Baumwolle inzwischen Einsatz. Schließlich ist sie von Natur aus hypoallergen, was nicht nur empfindlicher Babyhaut besonders entgegenkommt.

Baumwolle ist biologisch abbaubar

Baumwolle ist nachwachsend und recyclingfähig. Ihre Fasern bauen sich in Böden und im Wasser binnen weniger Monate ab.

Verbraucher empfinden Baumwolle als weich, natürlich und angenehm. Die Naturfaser hat im Vergleich zu erdölbasierten Kunstoffen den Vorteil, dass sie sich im Boden und in Gewässern innerhalb weniger Monate biologisch abbaut und zudem recyclingfähig ist. Diese Eigenschaften, zusammen mit der besonderen Atmungsaktivität der Faser, machen Baumwolle auch in der derzeitigen Pandemie-Situation zum bevorzugten Material für einen Mund-Nasenschutz im Alltag. Stoffe aus Baumwolle verfügen über die Fähigkeit, das Virus zu absorbieren, zu dehydrieren und zu deaktivieren. Waschbar und wiederverwendbar vermeiden die Baumwollmasken weiteren Müll. Baumwolle ist ein nachwachsender Rohstoff mit nutzbringenden Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten.

Weitere Informationen unter:

Publikation EU Kommission: ‚Changing the way we use plastics‘

https://op.europa.eu/en/publication-detail/-/publication/e6f102e3-0bb9-11e8-966a-01aa75ed71a1/language-en

RICHTLINIE (EU) 2019/904 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES über die Verringerung der Auswirkungen bestimmter Kunststoffprodukte auf die Umwelt

https://eur-lex.europa.eu/legal-ontent/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32019L0904&from=EN

OTTO STADTLANDER, BREMEN: 100 JAHRE EIN ERFOLGSMODELL

Am 1. Oktober feierte die Otto Stadtlander GmbH, Bremen, ihren hundertsten Firmengeburtstag. Begrüßt wurden zum Fest annähernd einhundert Gäste, darunter auch viele ehemalige Mitarbeiter. Ein Grund, die Geschichte des Unternehmens noch einmal Revue passieren zu lassen.

Otto Stadtlander Firmenzentrale

Oktober 1919 – der verlorene 1. Weltkrieg war ein knappes Jahr vorüber. Nach der Kaiserzeit erhielt die 1918 gegründete Deutsche Republik gerade ihre demokratische Verfassung. Am 1. Oktober 1919 gründete der Kaufmann Otto Stadtlander in Bremen seine Exportfirma, die Konsumgüter unterschiedlicher Art nach Nordafrika und Südamerika lieferte.

100 Jahre später ist die Otto Stadtlander GmbH der größte noch verbliebene deutsche Baumwollhändler. Das Unternehmen verfügt über ein weltweites Netzwerk an treuen Kunden aus der Textilindustrie sowie verlässlichen Rohstofflieferanten. Dabei blickt es auf eine wechselvolle Geschichte zurück. So wandelten sich im Laufe der Zeit nicht nur Abnehmerländer und Kunden, sondern auch die gehandelten Produkte. Zuverlässigkeit, Flexibilität und Dynamik sowie gleichzeitig Offenheit für Innovation, Diversifizierung und Spezialisierung erwiesen sich als Stärken, mit denen sich das Rezept für eine erfolgreiche Firmengeschichte der Unternehmensgruppe Otto Stadtlander beschreiben lässt.

Die Gründerzeit

Zu Beginn der 1930er Jahre drehte sich das Geschäft von Otto Stadtlander zunächst um den Handel mit Kaffee unter der Handelsmarke „OSTA KAFFEE“. Erst mit dem Eintritt von Max C. Schneider aus Zürich im Jahr 1935 wurde der Grundstock für ein schnell wachsendes Baumwollgeschäft gelegt. Für dessen väterliche Firma Schneider & Co. wickelte Stadtlander Baumwollkontrakte mit deutschen Spinnereien ab. In der Zeit des 2. Weltkrieges war das Baumwollgeschäft zum Erliegen gekommen. Schon unmittelbar danach wurde es wieder aufgenommen. Der Schwerpunkt lag zunächst auf dem Handel mit Baumwolle afrikanischen Ursprungs z. B. aus dem Sudan oder Ostafrika. In den 60er Jahren bildete die erfolgreiche Abwicklung großer Regierungsgeschäfte mit ägyptischer Baumwolle den Kern des Geschäftes. In den 70er Jahren gewann der Handel mit Baumwolle aus dem zentralasiatischen Raum, vornehmlich aus der ehemaligen Sowjetunion, große Bedeutung.

Rainer Hammer

Im Oktober 1984 bezog die Otto Stadtlander GmbH ihre Geschäftsräume im ehemaligen französischen Konsulatsgebäude in der Marcus­allee, auch heute noch Sitz des Unternehmens. Schon 1964 trat Rainer Hammer in das Unternehmen ein. 1987 übernahm der heutige Gesellschafter die Geschäftsführung. Mit Umsicht und Blick auf die Marktentwicklung lenkte er, finanziell gestärkt durch weitere Teilhalber und dank seiner engagierten Mitarbeiter, das Unternehmen mit großem Erfolg durch schwieriges Fahrwasser.

Manövrieren durch die Krise

 Mit Beginn der 1990er Jahre stellte die schleichende Krise der gesamten Textilindustrie in Europa die Branche vor große Herausforderungen. Schließungen und die zunehmende Verlagerung der Textilproduktion in kostengünstigere Standorte sowie die steigende Konkurrenz der Chemiefasern beeinträchtigte das Baumwollgeschäft von Rohstoffhändlern und Verarbeitern. Die Zahl der Spinnereien und Webereien ging im deutschsprachigen Raum rapide zurück. In diesem, sich strukturell verändernden Umfeld, konnte sich Otto Stadtlander durch kluge Unternehmensführung behaupten. Dazu trug zum einen neben dem Handel mit konventioneller Baumwolle, das Geschäft mit Lang- und Extra­langstapelpro­venienzen bei. Dies konnte mit der Übernahme der Exklusivvertretung für das  Israel Cotton Board entscheidend ausgebaut werden.

Zum anderen erschloss sich das Unternehmen neue Märkte in Asien. Mit einem Standort in Shanghai haben die Geschäfte mit dem weltgrößten Baumwollproduzenten und -verarbeiter China eine besondere Bedeutung erhalten. International vernetzt ist das Unternehmen heute neben seiner Bremer Zentrale mit weiteren Kooperationsbüros in Sao Paulo und Riga vertreten. Mittelstapelbaumwolle wird vom afrikanischen Kontinent, aus Zentralasien, Nord- und Südamerika, Europa, sowie Indien, Pakistan und Türkei angeboten. Das Angebot an Lang- und Extralang-Qualitäten stammt aus Ägypten, Indien, Israel, Nordamerika, Südamerika und Europa. Auch das Angebot an zertifizierter Baumwolle wie ‚Organic‘ bzw. BCI oder nach Standards von Cotton made in Afrika gehört zum Programm.

Erweiterung der Geschäftsfelder

Obwohl das Herz, der Tradition verpflichtet, für Baumwolle schlägt, stieg das Unternehmen, ausgelöst durch viele Anfragen von Bestandskunden aus dem Baumwollgeschäft, schon vor Jahren in den Handel mit Chemiefasern ein. Die erfolgreich arbeitenden Tochterunternehmen Multifiber, Bremen, Cetex Rheinfaser, Ganderkesee, sowie Bunzl Raccolta, Biella, Norditalien, vertreiben serviceorientiert Produkte wie Viskose-, Polyester-Stapel- und Modacryl- oder Aramidfasern auf internationalen Märkten.

Stephanie Silber + Henning Hammer

Ein wichtiger Garant für den Erfolg des Unternehmens sind seine Mitarbeiter. Das Unternehmen bildet seit jeher aus und fördert Nachwuchskräfte. Die langjährigen und branchenerfahrenen Mitarbeiter verfügen über hohe Kompetenz und pflegen intensive Kundenkontakte. Der geschäftsführende Gesellschafter Rainer Hammer wird unterstützt durch die Geschäftsführer Henning Hammer und Stephanie Silber. Henning Hammer verantwortet das Asiengeschäft am Stützpunkt Shanghai, während Stephanie Silber die Finanzen kontrolliert. Beide repräsentieren die neue Generation engagierter Baumwollhändler, die die Otto Stadtlander GmbH in die Zukunft führt.

Die Bremer Baumwollbörse dankt der Geschäftsleitung und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Otto Stadtlander für die unschätzbare, kontinuierliche Unterstützung der Arbeit der Bremer Baumwollbörse.

Otto Stadtlander und die Bremer Baumwollbörse

Seit 1979 ist die Otto Stadtlander GmbH geschätztes Mitglied der Bremer Baumwollbörse. Rainer Hammer war von 1996 bis 2018 im Vorstand vertreten. Henning Hammer ist seit 2013 im Vorstand, gehörte von 2014 bis 2019 dem Präsidium an und fungierte von 2016-2018 als Präsident der Bremer Baumwollbörse. Stephanie Silber ist seit 2019 die erste weibliche Vertreterin im Präsidium der Bremer Baumwollbörse.

(Bildrechtehinweis: Alle Bilder Otto Stadtlander GmbH)

Unsicherheit ist das neue Normal – Baumwollpreise weiterhin unter Druck

Beim Handelsstreit zwischen den Vereinigten Staaten und China wechselte das Erwartungspendel nach dem G20 Treffen im Juni in Osaka von Eskalation in Richtung Versöhnung. Dennoch sind die Folgen des nun schon ein Jahr anhaltenden Schlagabtausches im Markt deutlich spürbar. Die USA und China gehören zu den Big Playern der internationalen Baumwollwirtschaft. Die USA sind der größte Baumwollexporteur und der viertgrößte Baumwollproduzent mit anwachsenden Beständen. China ist neben Indien der weltgrößte Produzent, der größte Konsument und gleichzeitig größter Importeur von Baumwolle.

Dies ist auch der Grund, warum sich im internationalen Baumwollwollhandel starke Verunsicherung bei Vertragsabschlüssen breit gemacht hat. In der Folge nahm die Volatilität der Baumwollpreise weiter zu.

Seit einem Jahr lassen rückläufige Werte aller maßgeblichen Preisindizes wie Cotlook A*, NY Futures ** und auch des CIF Bremen*** sinkende Preise erkennen. Zu Beginn des Monats Juni 2018, also der ersten Erhöhung von Einfuhrzöllen durch die USA und der Erhöhung von Zöllen auf Agrarprodukte in China, wurde Baumwolle auf Basis des A Index noch mit 100 cts/lb gehandelt. Die Notierungen fielen im August/September letzten Jahres auf 94 ct/lb, als die Handelsspannungen durch erhöhte Importzölle und Gegenzölle zunahmen. Im Zeitraum zwischen Oktober 2018 und April 2019 folgte ein weiterer Rückgang mit Schwankungsbreiten zwischen 80 ct/lb im Februar  und 88 ct/lb im April. Als die Verhandlungen zur Beilegung des Streits Anfang Mai einen Rückschlag erlitten, wurde nur noch 76 ct/lb notiert. Mit Stand 15. Juli lag die Notierung bei 73,65 ct/lb.

Obwohl Unsicherheit das ‚neue Normal‘ zu bleiben scheint, kann nach Berechnungen des International Cotton Advisory Committee (ICAC) davon ausgegangen werden, dass der weltweite Baumwollverbrauch in der Saison 2019/20 auf 26,9 Millionen Tonnen um 1 Prozent ansteigt. Für China wird ein Rückgang von 200.000 t auf 8,25 Mio. t erwartet. Mit diesem Ergebnis bleibt das Land allerdings noch bei weitem der größte Baumwollverbraucher, wobei die Baumwollimporte aufgrund der Normalisierung der Baumwollbestandsreserven im Lande auf 2,1Millionen Tonnen zunehmen dürften.

Die Baumwollproduktion dürfte in der Saison 2019/20 bei einer Steigerung von 7 Prozent 27,6 Millionen Tonnen erreichen. Bei diesem Niveau von Angebot und Nachfrage ist damit zu rechnen, dass die weltweiten Lagerbestände auf 18,6 Millionen Tonnen ansteigen. Sie hatten in der vergangenen Saison 2018/19 mit 17,9 Millionen Tonnen das niedrigste Niveau seit 2012/13 erreicht.

Allein dadurch dürfte der Druck auf die Baumwollpreise mittelfristig anhalten. Hinzukommen die Unsicherheiten durch Handelskonflikte sowie durch eine sich abzeichnende Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in Europa und möglicherweise auch in den USA als große Nachfrager nach Textil- und Bekleidungsprodukten aus Baumwolle.

 

*Der Cotlook A – Index basiert vornehmlich auf Baumwollgeschäften im Bereich Fernost.

**An der New Yorker Terminbörse werden Futureskontrakte für neun Liefermonatstermine gehandelt – aktuell für die Termine  Oktober und Dezember 2019, März, Mai, Juli, Oktober und Dezember 2020 sowie März und Mai 2021

*** Der CIF BremenIndex bildet den Tageswert von gehandelter Baumwolle im Gebiet Nordeuropa ab und wird von der Preiskommission der Bremer Baumwollbörse festgelegt.

 Weitere Informationen und Kontakt:

Bremer Baumwollbörse
Elke Hortmeyer
Kommunikation und internationale Beziehungen
Tel.:+49-421-3397016,
E-Mail: hortmeyer@baumwollboerse.de

ERFOLGREICHE ICA BREMEN SCHULUNGEN

Insgesamt 32 Teilnehmer haben die ICA Bremen Schulungen “Classing & Testing” sowie “Learning about Machinery“ in diesem Sommer absolviert.

Der 2-tägige Kurs „Learning about Machinery“ wurde vom 16. bis 17. Mai in Denkendorf von Experten des DITF (Deutsche Institute für Textil- und Faserforschung) durchgeführt. In der Schulung wurde ein breites Spektrum der textilen Verarbeitung vermittelt, darunter Spinnen, Weben, Stricken und Ausrüstung. Die Teilnehmer konnten anhand detaillierter Anleitungen die Verarbeitung direkt an den Maschinenanlagen des DITF verfolgen.

Das 6-tägige „Classing & Testing“ Seminar fand vom 5. bis 12. Juni in Bremen statt. Es konzentrierte sich vollständig auf Qualitätsfragen der Rohbaumwolle und wurde von Experten der ICA Bremen und des Bremer Faserinstituts (FIBRE) durchgeführt. Referent Karsten Fröse sagte nach dem Seminar: „Unsere ‚Classing & Testing‘ Schulung hat den Teilnehmer einen praktischen Einblick in viele Methoden der Qualitätsmessung und den Einfluss der Qualität auf die Verarbeitungs­fähigkeit der Baumwolle gegeben. Wenn möglich, haben wir die Inhalte an die individuellen Bedürfnisse der Teilnehmer und ihrer Unternehmen angepasst, da wir wissen, dass dies den Nutzen für die Beteiligten weiter erhöht. Das Feedback für beide Trainingseinheiten war sehr positiv. Wir planen deshalb beide Seminare 2019 nochmals durchzuführen.“

Weitere Informationen unter:

http://www.ica-bremen.org

POTENTIALE FÜR DIE BREMER BAUMWOLLBÖRSE

Seit der Generalversammlung der Bremer Baumwollbörse am 28. Juni ist Jens D. Lukaczik Präsident des Verbandes. Jens D. Lukaczik ist geschäftsführender Gesellschafter der in Bremen ansässigen Cargo Control Group, einem angesehenen Logistikdienstleister für die Baumwollwirtschaft. Im Interview mit dem Cotton Report unterstreicht der neue Präsident die Kernaufgaben der Baumwollbörse als Schiedsrichter im internationalen Handel und Zentrum für Qualitätsprüfung. Auch die künftigen Herausforderungen der Baumwollbranche und der textilen Lieferkette kommen nicht zu kurz.

Cotton Report: Wo sehen Sie die Kernkompetenzen der Baumwollbörse?

Jens D. Lukazcik: Die Kernkompetenzen der Baumwollbörse, wie z. B. die Qualitätsexpertise und die Schiedsgerichtsbarkeit im internationalen Handel, haben sich in den letzten Jahrzehnten nicht verändert. Aber unser Beitrag sowohl zu fachspezifischen als auch zu allgemeinen Baumwollthemen, die heutzutage in der textilen Lieferkette diskutiert werden, wird von Jahr zu Jahr wichtiger und von allen Diskussionseilnehmern als sehr verlässlich empfunden. Die Wahrnehmung der Baumwollbörse hat sich in den letzten 10 Jahren von einer Interessenvertretung zu einem der weltweit akzeptiertesten und unabhängigsten Baumwoll-Fachverbände gewandelt, der alle Fragen zum Thema Baumwolle neutral bewertet und auf Grund seiner Expertise unvoreingenommen und sachlich fundiert kommentieren kann.

Wie unterstützt die Baumwollbörse die Partner bei der Sicherstellung von Qualität?

Es ist nicht die Aufgabe der Bremer Baumwollbörse, den Marktteilnehmern Qualitätsansprüche zu diktieren oder vorzugeben. Aber speziell durch die Zertifizierung von HVI-Labors in allen Teilen der Welt erhöhen wir substantiell die Verlässlichkeit und Genauigkeit von Baumwollqualitätsprüfungen. Durch die ICA Bremen, das Joint Venture zwischen der Bremer Baumwollbörse und der ICA in Liverpool, sind wir das internationale Zentrum für Baumwollprüfung, Schulung und Zertifizierung geworden. Außerdem sorgt unser eigener sehr hoher Qualitätsanspruch für entsprechende Qualitätsstandards und Benchmarks in der gesamten Industrie.

Die Baumwollbörse ist amtliches Schiedsgericht. Was bedeutet die Funktion für das internationale Ansehen der Baumwollbörse?

Die weltweite Anerkennung als amtliches Schiedsgericht im Baumwollhandel hilft uns ungemein in unserem Streben als unabhängiger Fachverband wahrgenommen und akzeptiert zu werden. Speziell unsere Funktion, über die ICA Bremen als ultimatives und vertraglich bindendes Schiedsgericht bei Qualitätsstreitigkeiten weltweit anerkannt zu sein, ist nicht nur für das Ansehen der BBB von herausragender Bedeutung, sondern auch für das Land Bremen, dessen Name damals bei der Gründung der ICA Bremen nicht umsonst mit verankert wurde. 

Welche Bedeutung haben Schulungen von mit Baumwolle betrauten Mitarbeitern in Handel und Industrie?

Die Bedeutung von Schulungen kann gar nicht hoch genug angesetzt werden. Baumwolle ist ein sehr hochpreisiger Rohstoff, bei dem kleinste Qualitätsunterschiede sehr große Preisunterschiede verursachen können. Gerade für kleinere und noch nicht so weit entwickelte Anbauländer sind diese Schulungen unabdingbar, um im internationalen Handel ihr natürliches Interesse an der fairen Bewertung ihres Produktes durchsetzen zu können.

Was kann getan werden, um die Beliebtheit und Verwendung von Baumwolle zu steigern?

Passend zur Frage komme ich gerade von einer Baumwollkonferenz in Brasilien zurück, bei der am Rande der Präsident des Baumwoll­exportverbandes der USA (ACSA) den Gedanken eines Zusammenschlusses der 4 größten Baumwollexportländer (USA, Brasilien, Australien und Indien) zur gemeinschaftlichen Promotion von Baumwolle aufwarf. Nur in gemeinsamen Anstrengungen sowie durch eine klare Benennung der Vorteile der Naturfaser als auch der Nachteile der Kunstfaser wird man zu Erfolgen kommen.

Wie beurteilen Sie die Mitarbeit der Bremer Baumwollbörse im deutschen Textilbündnis?

Die Bremer Baumwollbörse hat sich am Anfang sehr schwer damit getan, sich dem Textilbündnis anzuschließen. Nun dürfen wir im Nachhinein sagen, dass es damals die absolut richtige Entscheidung war, in diesem politischen Ausschuss unsere unabhängige Expertise einzubringen und dort Interessenverbänden und zum Teil ideologisch argumentierenden Organisationen mit sachlich begründeten Argumenten die Stirn zu bieten. So können wir dazu beitragen, dass sich die ganze Diskussion nicht zu weit von den vorherrschenden Realitäten entfernt.

Wo steckt noch Potential, um das Ansehen der Baumwoll­börse in Politik und  Gesellschaft zu steigern?

Wir können heutzutage sehr stolz auf unser extrem hohes Ansehen in der Baumwollwelt sein. Hier noch viel größeres Potenzial zu sehen, erscheint mir ein bisschen zu ambitioniert. Auch in der Politik sind wir durch die Mitarbeit im Textilbündnis und unsere Kooperation mit der GIZ schon sehr gut aufgestellt. Im Gegenzug sehe ich durchaus noch Möglichkeiten, die Bekanntheit der Baumwollbörse und das Wissen um unsere Fähigkeiten beim Einzelhandel und seinen Kunden, dem Endverbraucher, noch besser zu verankern.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Jahresbericht 2017 – Baumwollfakten zum Nachschlagen

Der Jahresbericht 2017 der Bremer Baumwollbörse liegt gedruckt in deutscher und englischer Version vor. Mit einem Umfang von 104 Seiten ist er nicht nur für Mitglieder des Vereins der Baumwollbörse, sondern darüber hinaus auch für Unternehmen der Baumwolle verarbeitenden Industrie und des Groß- und Einzelhandels, für Dienstleister, wie Banken und Versicherungen oder Berater, für Forschungsinstitute, für Studenten, NGO’s und die Politik ein wertvolles Nachschlagewerk rund um den Rohstoff Baumwolle. Er bietet zudem eine Möglichkeit, die Tätigkeitsbereiche der Bremer Baumwollbörse und ihren Nutzen für die Branche näher kennenzulernen.

Teil 1 beschäftigt sich auf über 60 Seiten, also mehrheitlich, mit dem internationalen Baumwollmarkt – hier speziell mit der Entwicklung von Produktion, von Verarbeitung, des Welthandels und der Marktpreise. Exkurse informieren über die Bedeutung von Identity Cottons sowie den Weltmarkt für langstapelige- und extralangstapelige Baumwollen. 66 anschauliche Grafiken und Abbildungen mit Zahlen und Fakten ermöglichen einen schnellen Überblick über die wirtschaftliche Bedeutung des Rohstoffs Baumwolle.

Teil 2 enthält den Tätigkeitsbericht der Bremer Baumwollbörse im abgelaufenen Jahr. Er dokumentiert den Verlauf der jährlichen Generalversammlung des Vereins und stellt Präsidium, Vorstand sowie Geschäftsführung und Kommissionen vor. Zudem klärt er über neue Baumwollqualitätsstandards, die Zahl der Arbitragen und Klassierungen sowie die Bremer Wertdifferenzen auf. Desgleichen über die Teilnahmen an diversen internationalen Veranstaltungen wie z. B. des ITMF, ICAC, BCI oder des Textilbündnisses. Nicht zuletzt aber über die internationalen Baumwolltagung.

Teil 3 legt Rechenschaft über die Zusammenarbeit mit den engeren Kooperationspartnern ICA Bremen und Faserinstitut Bremen e.V. (FIBRE) und deren Tätigkeiten ab.

Interessiert?

Der Jahresbericht 2017 der Bremer Baumwollbörse kann zum Vorzugspreis von 100 Euro inklusive Mehrwertsteuer im Cotton Shop der Bremer Baumwollbörse via Internet bezogen werden:

Bestellungen bitte unter: https://baumwollboerse.de/produkt/jahresbericht-der-bremer-baumwollboerse/

Der Standardraum – Maßstab für Baumwollqualität weltweit

In den Räumen der Bremer Baumwollbörse lagern Baumwollstandards von Ländern aus allen Kontinenten. Sie sind Basis für die Bestimmung der Baumwollqualität und damit auch für die Preise, die Produzent und Händler vereinbaren. Wenn es zu Streitigkeiten kommt, sind die in Standards festgelegten Qualitäten ausschlaggebend. Die Baumwollbörse tritt in diesem Fall als Schiedsgericht auf. Klassierer der Bremer Baumwollbörse und ICA können in diesem Fall eine so genannte Arbitrage durchführen, die ein Streitbeilegungsverfahren nach den Statuten der Bremer Baumwollbörse und der ICA ist. Entscheidend für die Qualität der Baumwolle sind Parameter wie Faserlänge, Farbe, Verunreinigungen und Faserfestigkeit sowie Feinheit. In den letzten Wochen erhielt die Bremer Baumwollbörse neue Produktstandards aus Uganda, den Vereinigten Staaten und Aserbaidschan.

Baumwolle: Mehr Einsatz in technischen Produkten

Bremen, 17. Januar 2018: Vom 21. bis 23. März findet unter dem Motto ‚Cotton Insights‘ die 34. internationale Baumwolltagung statt. Tagungsort ist nach alter Kaufmannstradition das historische Rathaus der Hansestadt Bremen in unmittelbarer Nähe der Baumwollbörse. Etwa 450 Teilnehmer aus der ganzen Welt werden dazu anreisen. ‚Cotton Insights‘ unterstreicht die inhaltliche Tiefe und gleichzeitig auch die Qualität der Bremer Tagung, für die sie schon seit mehr als fünfzig Jahren bekannt ist. Wie immer bietet die Tagung informative, zukunftsweisende Vorträge und Podiumsdiskussionen sowie reichlich Gelegenheit zum Erfahrungsaustauch der Teilnehmer untereinander.

Innovative textile und technische Produkte aus Baumwolle. Sehr fachspezifisch? Ja. Die Bremer Baumwolltagung bietet neben einer breiten Palette an allgemeinen Baumwollthemen auch für Experten ein Podium. Die technische Sitzung III wird von Iwona Frydrich von Technischen Universität Lodz/Polen moderiert.

Innovative 3D-Textilien aus Baumwolle und Baumwollmischungen mit Chemiefasern werden von Malgorzata Matusiak, Mitglied der technischen Universität Lodz, Polen vorgestellt. Die dargestellten Untersuchungen bestätigen den ausgezeichneten thermophysiologischem Komfort dieser neuen Textilen z.B. für Funktionsbekleidung.

Bruce Atherly, Geschäftsführer des Cotton Council International, Washington D.C. USA, bietet in seinem Vortrag einen Überblick über Produktneuigkeiten, die den Mehrwert und das Ansehen von Baumwolle beim Konsumenten steigern. Baumwolle soll in ihrer Position als bevorzugte Faser für Vorstufe, Produzenten, Marken und Handel gestärkt werden.

Neue technische Materialien aus Baumwoll- und Polylactidfasern als nachwachsenden Rohstoffen beinhaltet der Vortrag von Franziska Stehle, Faserinstitut Bremen. Durch Herstellungsverfahren, in denen die thermoplastischen Fasern aufgeschmolzen werden, können strukturelle Produkte z.B. für die Innenarchitektur unter Nutzung der positiven Eigenschaften der Baumwolle hergestellt werden.

Noppenwaben aus Baumwoll- und Polylactidfasern, © FIBRE

Milan Kelch, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hochschule Bremen, stellt im Rahmen eines Forschungsprojektes mit biologischen Werkstoffen baumwollfaserverstärkte Kunststoffe aus Mikro-Spritzguss und 3-D-Druck vor. In diesen Verfahren zeigt Baumwolle durch ihre Feinheit und Gleichmäßigkeit eine bessere Eignung als Bastfasern.

Spritzgusszugproben aus baumwollverstärktem, biobasiertem Polymer © Milan Kelch, Hochschule Bremen

Weitere Themen der Tagung, die die gesamte Welt der Baumwolle beleuchten, sind Nachhaltigkeit, Baumwollqualität, Saatzucht, Digitalisierung, Forschung und Textilprozesse. Sie bietet Lösungen für zukünftige Herausforderungen wie sie nicht nur für die Baumwollfachwelt, sondern auch für die gesamte Baumwollbeschaffungskette von der Verarbeitung bis hin zum textilen Einzelhandel von Bedeutung sind. Auch die Bedürfnisse der Endkonsumenten finden Berücksichtigung.

Neu: Am 20. März von 10 bis 17 Uhr findet im Vorfeld der Internationalen Baumwolltagung die von der Tageszeitung Weser-Kurier in Kooperation mit der Bremer Baumwollbörse veranstaltete Nachhaltigkeitskonferenz SUSTAIN im Festsaal der Bremer Bürgerschaft statt. Das Thema der ersten Veranstaltung: Zukunft Afrika.

Weitere Infos unter:

www.cotton-conference-bremen.de

Pressekontakt:

Elke Hortmeyer, Kommunikation und internationale Beziehungen

Tel.: +49 (0)421 3397016, Email: hortmeyer@baumwollboerse.de

Rainer Schlatmann, Pressebetreuung

Tel.: +49-172-2965201, Email: schlatmann@baumwollboerse.de

www.baumwollboerse.de

34. Internationale Baumwolltagung 2018 in Bremen ‚Cotton Insights‘ lenkt Blick in die Zukunft Schon jetzt registrieren!

Save the Date! Der Countdown für die renommierte internationale Baumwolltagung vom 21.- 23. März 2018 in Bremen läuft.

Das Thema der Tagung ‚Cotton Insights‘ verdeutlicht, dass die Veranstaltung tiefe Einblicke in die Welt der Baumwolle ermöglichen wird, um daraus Herausforderungen für Zukunft abzuleiten und Lösungen anzubieten. Lösungen, wie sie nicht nur für die Baumwollfachwelt sondern auch für die gesamte Baumwollbeschaffungskette von der Verarbeitung bis hin zum textilen Einzelhandel von Bedeutung sind, weil sie die Bedürfnisse der Endkonsumenten im Blickfeld haben.

Traditionsgemäß findet die Tagung im historischen Rathaus der Hansestadt Bremen in unmittelbarer Nähe der Baumwollbörse statt. Auch diesmal wird mit über 450 Teilnehmern aus der ganzen Welt gerechnet. Für die Durchführung zeichnen die Bremer Baumwollbörse und das Faserinstitut Bremen gleichermaßen verantwortlich.

„Wir haben die Zeit nach Ende unserer Baumwolltagung im März 2016 genutzt, um die Marktentwicklung genauestens zu analysieren und daraus aktuelle Themen- und Handlungsfelder abzuleiten, die die Branche intensiv beschäftigen. Sie sind von großem Nutzen für die Teilnehmer, ein Besuch lohnt sich“, betonen Elke Hortmeyer, Direktor für Kommunikation und Internationale Beziehungen bei der Baumwollbörse sowie Axel Drieling, Senior Manager Cotton beim Faserinstitut Bremen.

Das Themenspektrum reicht von Rückverfolgbarkeit und Echtheitsprüfung von Baumwolle über neue Anforderungen an Baumwollqualität, Prozessoptimierung durch Digitalisierung, Zukunftstrends und Produktion bis hin zum Stand der Nachhaltigkeitsdebatte. In allen Segmenten bietet die Tagung informative Vorträge und Paneldiskussionen, die ein breites Publikum ansprechen und von übergeordnetem Interesse sind. Für Experten aus dem Bereich Wissenschaft und Forschung werden gesonderte Foren angeboten.

Am Dienstag, dem 20. März, also im Vorfeld der Internationalen Baumwolltagung, laden Verlag und Redaktion der führenden, überregional erscheinenden Tageszeitung Weser-Kurier zu ihrem Wirtschafts-Summit ‚Sustain‘ ein und zwar in Kooperation mit der Bremer Baumwollbörse. Hier diskutiert ein Expertenforum über Entwicklungsperspektiven auf dem afrikanischen Kontinent. Bekanntlich leben annähernd 55 Millionen Menschen in Afrika vom Baumwollanbau, so dass dieser eines der Hauptthemen der Veranstaltung sein wird.

Ab sofort werden potentielle Interessenten auf der Tagungshomepage aber auch über regelmäßige Newsletter und darüber hinaus durch aktive Pressearbeit aktuell
und ausführlich über Tagungsinhalte und Themen der Tagung informiert. Schon jetzt gibt es auch die Möglichkeit, sich zur Tagung online anzumelden und zu registrieren
und Hotelbuchungen durchzuführen. Weitere Informationen zu Baumwolltagung finden Sie unter: http://cotton-conference-bremen.de/

 

 

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