Baumwollbörse

Call for Papers – Deadline ist 12. September

Internationale Baumwolltagung Bremen 2022

Die 36. Internationale Baumwolltagung Bremen findet vom 30. bis 31. März 2022 in Bremen statt. Die Bremer Tagung ist eingebettet in die Bremen Cotton Week mit zahlreichen zusätzlichen baumwoll- und textilbezogenen Treffen und Workshops. Veranstalter sind das Faserinstitut Bremen e.V. und die Bremer Baumwollbörse. Die Konferenz wird hybrid stattfinden, so dass sowohl Vorträge vor Ort in Bremen als auch Online-Präsentationen möglich sind.

Mit dem Call for Papers laden die Organisatoren dazu ein, Vorschläge für Themen und Referenten einzureichen. Um nicht mit den Sommerferien zu kollidieren, können Vorschläge bis zum 12. September eingereicht werden.

Die Themenbereiche der Konferenz:

  • Baumwollzüchtung und -erzeugung in den Regionen, Entkörnung
  • Baumwollqualität und -prüfung
  • Baumwollhandel
  • Textilverarbeitung: Spinnerei, Weberei/Strickerei, Veredelung
  • Innovative textile und technische Produkte auf Baumwollbasis
  • Wettbewerb auf dem Fasermarkt
  • Entwicklungen in der Textil- und Bekleidungsbranche
  • Nachhaltigkeit in der Baumwoll- und Textilproduktion, Kreislaufwirtschaft, Transparenz
  • Entwicklungen in der Modeindustrie/im Einzelhandel; Verbrauchererwartungen

Weitere Informationen auf der Konferenz-Website: https://cotton-conference-bremen.de/

Bremen Surveys: Qualitätsanforderungen in der Baumwollwertschöpfungskette

Nach einer ersten Umfrage im Jahr 2016/17 wurde 2020/21 ein zweiter weltweiter „Bremen Survey“ zu Qualitätsanforderungen an Baumwolle durchgeführt. Das Faserinstitut Bremen e. V. und die Bremer Baumwollbörse, unterstützt von der ITA Academy, Aachen, organisierten die Umfrage mit dem Fokus auf die baumwollverarbeitende Industrie. Ergänzt wurde sie von einer weiteren Erhebung der Bremer Baumwollbörse, die sich an Einzelhändler und Hersteller von Bekleidungsmarken richtete. Das Ziel dieses „Retail Survey“ war es, einen Eindruck zu gewinnen, wie die Textilindus­trie und der Handel beispielsweise Faserauswahl, Transparenz der Lieferkette oder Nachhaltigkeit bewerten und wo entsprechende Prioritäten liegen.

Bremen Survey zu Qualitätsanforderungen an Baumwolle in der Textilindustrie

Die Umfrage zu den Qualitätsanforderungen an Baumwolle erhielt 249 qualifizierte Antworten aus mehr als 37 Ländern. Damit lag die Zahl der Teilnehmer deutlich über den 179 Antworten aus dem Jahr 2016/17. Die Mehrheit der Befragten (72 Prozent) gehört Unternehmen aus der Spinnerei oder der Spinnereimaschinenindustrie an. Aber auch Firmen aus anderen Stufen der Baumwollwertschöpfungskette beteiligten sich. Nahezu alle Teilnehmer verarbeiten Baumwolle.

 

 

Festigkeit am meisten gewünscht, Kurzfasergehalt meist genannter Mangel

Festigkeit, der Anteil von Nissen, Dick-/Dünnstellen und Gleichmäßigkeit waren die mit Abstand am häufigsten genannten maßgeblichen Garnqualitäten, gefolgt von Dehnbarkeit, Haarigkeit und Färbbarkeit. Geeignete Fasern müssen zu diesen Garneigenschaften beitragen können. Zu den bedeutendsten Fehlern oder Mängeln bei Baumwollfasern, die die Garnqualität beeinflussen, zählten Kurzfasergehalt, Festigkeit/Zähigkeit und Micronaire. Dabei ist auffallend, dass der Kurzfasergehalt sogar häufiger als Mangel bewertet wird als die Stapellänge. Polyester- und Cellulosefasern gelten als die wichtigsten direkten Konkurrenten der Baumwolle. 2020/21 gewannen die Cellulosefasern deutlich an Bedeutung und überholten sogar Polyester, welches bei dieser Befragung deutlich verlor.

Nachhaltigkeit, das Vertrauen der Endkunden und marketingbezogene Aspekte wurden als Hauptgründe für die Verwendung von Baumwolle aus Identity Cotton Programmen genannt. Ein möglicher Preisaufschlag war weniger wichtig.

 

Bremen Retail Survey zu Qualität und Nachhaltigkeit

Die Bremer Umfrage unter Einzelhändlern und Marken erhielt 31 Antworten von 24 Unternehmen. Davon waren 81 Prozent deutsch und 77 Prozent haben mehr als 1000 Mitarbeiter; 39 Prozent waren Marken, 42 Prozent gehörten zum Handel. Zu den Umfrageteilnehmern zählen bekannte Marken wie Otto, Seidensticker, Bonprix, Witt Weiden, Tom Tailor und Tchibo. Alle Ergebnisse sind im Kontext einer starken Tendenz zu Nachhaltigkeit im deutschen Markt zu interpretieren.

Mit 56 Prozent hat Baumwolle den größten Anteil am Fasereinsatz der teilnehmenden Unternehmen. Die wichtigste Eigenschaft von Baumwolle für Händler und Marken ist, dass es sich um eine Naturfaser handelt – diese Aussage erhielt 100 Prozent Zustimmung. Es folgten Pflegeleichtigkeit, Atmungsaktivität und biologische Abbaubarkeit.

79 Prozent antworteten, dass ihrer Meinung nach Viskose in Zukunft direkter Konkurrent der Baumwolle sein wird, übereinstimmend mit den Ergebnissen aus der Sicht der Textilindustrie im Cotton Quality Survey. 97 Prozent der Teilnehmer verwenden Baumwollstoffe aus Identity Cotton Programmen – meist GOTS/organic und BCI – aus Gründen der Nachhaltigkeit (100 Prozent) oder wegen des Vertrauens/der Nachfrage der Konsumenten (68 Prozent), aber auch für Marketing und Image (65 Prozent). Die Mehrheit der Teilnehmer glaubt, dass während der Pandemie Baumwolle im Allgemeinen sowie Baumwolle aus Cotton Identity Programs an Bedeutung gewonnen hat. Dies deckt sich mit der Ansicht, dass die Kunden bewusster kaufen (83 Prozent Zustimmung) und Nachhaltigkeit wichtiger geworden ist (93 Prozent Zustimmung).

 

Den Report sowie die Präsentation der beiden Umfragen während der 35. Internationalen Baumwoll­tagung finden Sie hier: Bremen Surveys

Claudia Hagedorn, Bremer Baumwollbörse, und Axel Drieling, Faserinstitut Bremen e.V., während der Präsentation zur Baumwolltagung 2021 mit Session-Moderator Erich Ingelsberger, Textechno (oben).

Jahresbericht der Bremer Baumwollbörse: Rückblick und Ausblick nach dem Ausnahmejahr 2020

Baumwolle – seit über 6.000 Jahren erfolgreich: 

  • Produktion 24,1 Millionen Tonnen,
  • Beschäftigung: 150 Millionen Menschen,
  • Verarbeitung 24,1 Millionen Tonnen

 Bremen, 01. Juli 2021: Der aktuelle Jahresbericht der Bremer Baumwollbörse ist ab sofort erhältlich. Hauptthema: Baumwolle.

Produktion, Handel und Verarbeitung der nachwachsenden Naturfaser sind seine inhaltlichen Schwerpunkte. Ergänzend dazu wirft der Jahresbericht einen Blick auf die Textilindustrie Deutsch­lands, Österreichs und der Schweiz. Der ebenfalls enthaltene Tätigkeitsbericht macht deutlich, welche Themen die Bremer Baumwollbörse als internationaler Rohstoffverband bearbeitet.

Baumwolle ernährt, sie schützt und sie ist sehr technisch

Die Baumwollindustrie wartet mit beeindruckenden Zahlen auf: Weltweit wurden 2020/21 24,1 Mio. Tonnen der biologisch abbaubaren Faser erzeugt, mehr als 150

Millionen Menschen sind eingebunden. Über zwei Drittel der Produzenten arbeiten in Entwicklungslän­dern. Auch wird in der Baumwollindustrie beständig und mit Erfolg Forschung betrieben, so dass Baumwolle für technisch anspruchsvolle Prozesse ein interessantes Produkt ist. 

Detaillierte Einblicke vom Baumwollanbau bis zur Verarbeitung

In Berichten über die Entwicklung in den wesentlichen Anbau- und Verarbeitungsländern so­wie einordnenden Globalanaly­sen erhält der Leser einen umfassen­den Einblick in die wichtigsten Segmente der Baumwollliefer­kette. Statistiken zur Faser-produk­tion, zu Erträgen, zum Handel, zur Preisentwick­lung sowie zur Weiterverarbeitung des Rohstoffes in nachgelagerten Produktionsstufen erfassen sowohl die letzten Jahre als auch den aktuellen Zeitraum. Für den Blick in die Zukunft und mögliche Entwicklungstendenzen konnte ein erfahrener Vertreter der internationalen Wirtschaftspresse gewonnen werden.

Baumwolltextilwirtschaft in Deutschland und Europa

Weitere Berichte analysieren die Baumwoll- und Textilindustrie in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Hier sind die aktuellen wie strukturellen Entwicklungen innerhalb der Textil- und Bekleidungsindustrie deutlich zu erkennen. Dadurch wird die Gesamtschau mit Blick auf weitere Segmente der Baumwolllieferkette bis zum Endverbraucher in Europa optimal ergänzt.

 

Darüber hinaus enthält der Jahresbericht einen Überblick der vielfältigen Tätigkeiten der Bremer Baumwollbörse im vergangenen Jahr, der ihre Bedeutung im weltweiten Netzwerk der Baumwollwirtschaft unterstreicht.

Das in der Fachwelt geschätzte Nachschlagewerk enthält mehr als 100 Seiten mit Fakten und Hintergründen zum weltweiten Baumwollmarkt – perfekt nachvollziehbar und anschaulich durch Tabellen, Grafiken und Bildmaterial aufbereitet. Besonders im Fokus stehen in dieser Ausgabe die Auswirkungen der globalen Corona-Pandemie auf die gesamte Baumwolllieferkette. 

Für Mitglieder der Baumwollbörse sowie für die Presse ist der Jahresbericht kostenlos. Der Jahresbericht kann in gedruckter Version bei der Baumwollbörse erworben werden. Bestellungen werden per E-Mail unter info@baumwollboerse.de oder im ‚Cotton Shop‘ unter https://baumwollboerse.de/shop/ entgegengenommen.

Gern beantworten wir Ihnen weiterführende Fragen. Zudem stehen wir Pressevertretern jederzeit auch für Interviews zur Verfügung.

Die in der Meldung abgebildeten Fotos und Grafiken können unter Angabe der Quellenangabe zum Zwecke der redaktionellen Berichterstattung verwendet werden:

Baumwollbilder: © mit freundlicher Genehmigung von Cotton Australia

Grafik Baumwollproduktion: ©  Bremer Baumwollbörse

Download der Pressemitteilung Jahresbericht 2020

Kontakt:

Bremer Baumwollbörse

Elke Hortmeyer, Kommunikation und internationale Beziehungen

Wachtstraße 17-24

28195 Bremen

Tel.:+49-421-3397016 | E-Mail: hortmeyer@baumwollboerse.de

www.baumwollboerse.de

 

Bremer Baumwollbörse: Kontinuität in Vorstand und Präsidium

Pressemitteilung

Bremen, 24. Juni 2021: Satzungsgemäß fand am 24. Juni 2021 die 147. ordentliche Generalversammlung der Bremer Baumwollbörse statt. Das alte Präsidium ist auch das neue und wurde in bisheriger Zusammensetzung vom Vorstand wiedergewählt.

Stephanie Silber (41), Geschäftsführerin der Otto Stadtlander GmbH, bleibt als Präsidentin weiter im Amt, ebenso Vizepräsident Jens D. Lukaczik (55), geschäftsführender Gesellschafter des Serviceunternehmens Cargo Control Germany GmbH & Co. KG in Bremen, Ernst Grimmelt (54), geschäftsführender Gesellschafter der Spinnerei und Weberei Velener Textil GmbH in Velen, Nordrhein-Westfalen und Fritz A. Grobien (63), geschäftsführender Gesellschafter der Albrecht, Müller-Pearse & Co. Trade (GmbH & Co.) KG, Bremen.

Präsidentin Stephanie Silber sagte anlässlich der Generalversammlung: „Nach mehr als einem Jahr in der Pandemie zeigt sich: Baumwolle hat sich als resilient erwiesen. Natürlich sind die Auswirkungen der Covid-19 Pandemie nicht spurlos an der Branche vorbei gegangen. Aufträge wurden storniert, Unternehmen kämpfen mit der Insolvenz. Aber durch die gesamte Wertschöpfungskette hindurch haben Menschen an Lösungen gearbeitet und die Innovationskraft der Baumwollindustrie demonstriert. Die Nachfrage hat sich relativ schnell wieder erholt. Dies ist eine gute Basis für die kommende Saison, die hoffentlich unter normaleren Bedingungen stattfinden kann. Aktuell hat die Branche mit der logistischen Situation eine große Herausforderung. Knappe Containerverfügbarkeit und ausgebuchte Schiffsrouten verzögern die globalen Lieferketten weltweit.“

Neuwahlen des Vorstands

Während der Generalversammlung fanden die Neuwahlen des Vorstandes statt. Vizepräsident Fritz A. Grobien, Albrecht, Müller-Pearse & Co. Trade (GmbH & Co.) KG, Bremen, schied turnusgemäß aus dem Vorstand aus und wurde neu in das Gremium gewählt. Auch Jean-Paul Haessig, Asian Cotton Traders PTE Ltd, Singapur, wurde erneut in den Vorstand berufen.

Weitere Mitglieder im Vorstand sind Hannes Drolle, Getzner Textil AG, Bludenz/Österreich, Henning Hammer, Otto Stadtlander GmbH, Bremen, in Shanghai verantwortlich für das Asiengeschäft, Jan Kettelhack, Hch. Kettelhack GmbH + Co. KG, Rheine, Konrad Schröer, Setex-Textil GmbH, Hamminkeln-Dingden, Peter Spoerry, Spoerry 1886 AG, Flums, auch in der Funktion als Vertreter der Schweizer Textilindustrie, Roland Stelzer, Gebr. Elmer & Zweifel GmbH & Co. KG, Bempflingen sowie Axel Trede, Cotton Service International GmbH, Bremen. Als beratendes Mitglied ist Manfred Kern als Repräsentant der Vereinigung Textilindustrie Österreich im Vorstand vertreten.

Im Verlauf der Generalversammlung über das 148. Geschäftsjahr erstatteten der Vorstand und die Geschäftsstelle den Mitgliedern des Vereins der Bremer Baumwollbörse Bericht über das abgelaufene Geschäftsjahr und legten satzungsgemäß die Rechnungsablage vor.

Angeregte Diskussion über Lieferkettengesetz

Dr. Uwe Mazura, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands textil + mode, lieferte eine aktuelle Einschätzung des kürzlich beschlossenen Lieferkettengesetzes. Es folgte eine angeregte Diskussion unter den Mitgliedern zu dieser Thematik.

Den Gastvortrag der diesjährigen Sitzung hielt die Archivarin der Bremer Baumwollbörse, Theresa Knapstein. Unter dem Titel „Fast 150 Jahre Bremer Baumwollbörse; ein anekdotischer Blick aus dem Archiv auf Zeitgeist und Persönlichkeiten“ ließ sie geschichtliche Ereignisse des Vereins Revue passieren.

Treppenaufgang in der 1902 errichteten Bremer Baumwollbörse

Eine Besonderheit der Bremer Baumwollbörse: Die Mitglieder des Vorstands und des Präsidiums gehören überwiegend Unternehmen aus verschiedenen Bereichen der Baumwollbeschaffungs­kette wie Handel, Verarbeitung und Dienstleistung an. Dies ermöglicht dem Rohstoffver­band Zugang zu einem umfassenden Netzwerk sowie globalen Informationsressourcen innerhalb des weltweiten Baumwollsektors und darüber hinaus.

Download der Pressemitteilung als pdf: Bremer Baumwollbörse: Kontinuität in Vorstand und Präsidium

Kontakt:

Bremer Baumwollbörse

Elke Hortmeyer, Kommunikation und internationale Beziehungen

Wachtstraße 17-24

28195 Bremen

Tel.:+49-421-3397016 | E-Mail: hortmeyer@baumwollboerse.de

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Klimawandel: Maßnahmen und Folgen im Baumwollsektor

Interview mit Kai Hughes, Direktor des Internationalen Baumwollsekretariats (ICAC) in Washington

Der fortschreitende Klimawandel hat Auswirkungen auf die landwirtschaftlichen Produktionssysteme – also auch auf den Baumwollanbau. Kai Hughes, Direktor des Internationalen Baumwollsekretariats (ICAC) in Washington, beantwortet der Cotton Report Redaktion die wichtigsten Fragen rund um Baumwolle und den Klimawandel. Unter dem Titel „Klimawandel – ein Sturm im Wasserglas?“ hatte er bereits auf der Internationalen Baumwolltagung 2021 einen Vortrag zum Thema gehalten.

Bremen Cotton Report: Der Klimawandel hat Auswirkungen darauf, wie und wo Baumwolle in Zukunft angebaut werden kann. Was sind die grundlegenden Veränderungen?

Kai Hughes: Der Klimawandel führt zu einem höheren CO2-Gehalt in der Atmosphäre, erhöhte Temperaturen und Störungen der Niederschlagsmuster – alles Entwicklungen, von denen bekannt ist, dass sie die Baumwollproduktion maßgeblich beeinflussen. Während ein erhöhter CO2-Gehalt der Baumwolle zugutekommen könnte, werden höhere Temperaturen und unregelmäßige Niederschläge die Produktion erheblich beeinträchtigen. Baumwolle im Regenfeldbau wird aufgrund der gestörten Niederschlagsmuster am stärksten betroffen sein. Mehr als die Hälfte der weltweiten Baumwollanbau­fläche ist allein auf Niederschläge angewiesen. Rund 95 Prozent der Baumwollfläche in Afrika und Brasilien erhalten keine Bewässerung. Weitere Flächen im ausschließlichen Regenfeldbau liegen in Indien und den Vereinigten Staaten, wo 65 Prozent der Baumwollanbaufläche vollständig von Niederschlägen abhängig sind. Weitere grundlegende Veränderungen mit Auswirkungen auf den Baumwoll­anbau sind das verstärkte Auftreten einiger Insektenschädlinge sowie Krankheiten verbunden mit sinkenden Erträgen und Faserqualitäten.

Wie können sich Landwirte an diese Veränderungen anpassen?

Baumwolle ist grundsätzlich eine klimaresistente Kulturpflanze. Im Vergleich zu den meisten Nutzpflanzen ist sie widerstandsfähiger gegen Trockenheit. Landwirte in heißen und trockenen Regionen der Welt bevorzugen Baumwolle wegen ihrer Widerstandsfähigkeit gegenüber Klimarisiken. Es ist jedoch möglich, diese natürliche Widerstandsfähigkeit durch wissenschaftliche Forschung weiter zu stärken. Durch zwei wesentliche Strategien können Landwirte die Anpassung an den Klimawandel unterstützen: Die erste Strategie ist die Züchtung klimaresistenter Baumwollsorten, insbesondere mit Toleranz gegenüber hohen Temperaturen.

Die zweite Strategie besteht darin, den organischen Gehalt des Bodens und die Bodengesundheit durch regenerative Praktiken zu verjüngen. Böden, die reich an organischer Substanz sind, fangen Regenwasser effizienter auf und speichern es. So können die Pflanzen erratische Niederschlagsmuster und höhere Temperaturen besser ausgleichen. Zudem verringert sich der Bedarf an chemischen Düngemitteln, wodurch sich wiederum die Treibhausgasemissionen von landwirtschaftlichen Betrieben reduzieren.

Was ist an Maßnahmen im gesamten Produktionssystem erforderlich, um sich auf den Klimawandel einzustellen?

Zu den Maßnahmen gegen den Klimawandel gehören auch Strategien zur Verringerung der Treibhausgasemissionen in der gesamten Produktions- und Lieferkette. Der Einsatz von stickstoffhaltigen Düngemitteln in der Baumwollerzeugung, die Nutzung von Strom, Wasser, Energie und hochgefährlichen Chemikalien in landwirtschaftlichen Betrieben und Fabriken einerseits sowie der Einsatz von Energie, Chemikalien und Wasser für den Betrieb von Textilfabriken andererseits tragen wesentlich zu den Treibhausgasemissionen des Sektors bei. Sie stellen ein großes Problem für Ökologie und Umwelt dar. Die Forschung muss sich auf die Entwicklung von umweltfreundlichen „alternativen Technologien“ konzentrieren, die die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen reduzieren und am wenigsten Treibhausgase erzeugen und gleichzeitig die Nutzpflanzen unterstützen, die die nachteiligen Auswirkungen des Klimawandels zu bekämpfen.

Vielleicht neu für einige: Baumwolle kann eine zentrale Rolle in der Reduktion des  Klimawandels spielen. Wieso?

Alle Pflanzen tragen dazu bei, die Auswirkungen des Klimawandels abzuschwächen, da sie CO2 absorbieren. Baumwollpflanzen sind insofern etwas Besonderes, weil sie nicht nur CO2 in der Pflanzenbiomasse aufnehmen, sondern zusätzlich CO2 in ihren kohlenstoffreichen Fasern absorbieren. Baumwollfasern bestehen mit 96-98 Prozent fast aus reiner Zellulose und enthalten 42 Prozent Kohlenstoff. Ein Kilogramm Baumwollfasern bindet 1,54 kg CO2. Alle landwirtschaftlichen Kulturen emittieren während der Erzeugung Treibhausgase aufgrund des Einsatzes von Energie, Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln. Der Baumwollanbau emittiert 1,7 kg CO2-Äquivalente an Treibhausgasen pro Kilogramm produzierter Faser. Aber Baumwolle bindet und speichert auch Treibhausgase in ihren Fasern und im Boden, was 2,2 kg CO2-Äquivalenten pro Kilogramm produzierter Fasern entspricht. Somit absorbiert Baumwolle ein halbes Kilogramm mehr Treibhausgase als sie emittiert.

Baumwolle gehört zu der photosynthetischen Kategorie der C3-Pflanzen, wie auch Weizen, Reis, Sonnenblumen. Im Gegensatz dazu sind beispielsweise Zuckerrohr, Mais und Sorghum C4-Pflanzen. C3-Pflanzen sind in der Lage, fast die doppelte Menge an CO2 zu binden wie C4-Pflanzen. Genau genommen können C4-Pflanzen nicht mehr als 415 ppm CO2 binden. Wenn also der CO2-Gehalt der Atmosphäre in den nächsten 80 Jahren weiter auf etwa 800 ppm ansteigt, trägt die Baumwollpflanze weiter zum Klimaschutz bei, indem sie mehr und mehr CO2 aufnimmt.

Die Baumwollpflanze in ihrer jetzigen Form bindet mehr Kohlenstoff, als sie emittiert und mildert so die Auswirkungen des Klimawandels ab. Daher ist zu erwarten, dass sie in Systemen, die weniger energieabhängig und weniger chemikalienintensiv sind, besser abschneidet als die herkömmlichen Systeme der Produktion und Verarbeitung.

Vielen Dank für das Interview!

Hier geht es zur Konferenzpräsentation: Kai Hughes – Climate Change: A storm in a teacup?

Die Interviews in der Rubrik „Nachgefragt“ entsprechen der Meinung des jeweiligen Interviewpartners und geben nicht die Position der Bremer Baumwollbörse als neutrale, unabhängige Institution wieder.

Podcast zum Lieferkettengesetz

Elke Hortmeyer, Direktorin Kommunikation und Internationale Beziehungen bei der Bremer Baumwollbörse, beantwortet in der Podcast-Reihe „Go Global! Bremen Business Talks“ aktuelle Fragen rund um das neue Sorgfaltspflichtengesetz*. Diese auch als Lieferkettengesetz bekannte Regelung hat weitreichende Auswirkungen für Unternehmen. Im Podcast geht es um die Konsequenzen aus dem Gesetz und was Unternehmen jetzt wissen müssen. Diskutiert werden die Herausforderungen aber auch Chancen für Unternehmen. Weiterer Gast des Podcasts ist Volkmar Herr, Geschäftsführer und Leiter des Bereichs International der Handelskammer Bremen.

* Das Gesetz wurde am 11. Juni 2021 vom Deutschen Bundestag verabschiedet und tritt 2023 in Kraft.

Erträge im Baumwollanbau: Die wichtigsten Einflussfaktoren

Die Erträge im Baumwollanbau haben weltweit eine große Spanne. Von um die 200 kg pro Hektar in einigen afrikanischen Ländern bis hin zu Rekordhöhen von mehr als 2.000 kg pro Hektar in Australien reichten die Ernteerträge an Baumwolle der Farmer in den letzten Jahren. Der Durchschnittswert pendelte dabei zwischen 750 und 800 Kilogramm. Einige Länder wie Australien, China, Türkei, Brasilien und Israel konnten seit den 2000ern ihre Erträge im Durchschnitt deutlich steigern und erzielen kontinuierlich Ernten über 1.000 kg pro Hektar. In vielen anderen Ländern konnten nur geringe oder keine Ertragsteigerungen im Baumwollanbau festgestellt werden.

 

Was beeinflusst die Ertragshöhe?

Der Ertrag auf einem Feld resultiert aus einer komplexen Mischung verschiedener Faktoren, die nur zum Teil beeinflussbar sind und voneinander abhängen. Das Internationale Baumwollsekretariat (ICAC) unterscheidet drei Hauptfaktoren:

  • Das genetische Potential einer Saatgutvarietät für die Baumwollerzeugung
  • Umweltfaktoren in Interaktion mit dem genetischen Potential
  • Produktionstechnologien und landwirtschaftliche Praktiken.

Genetisches Potential einer Saatgutvarietät für die  Baumwollerzeugung

Das Saatgut, also die Baumwollsorte entscheidet wesentlich über die Qualitätseigenschaften der Baumwollfaser, aber auch darüber, welchen Ertrag die Pflanze unter den besten Bedingungen grundsätzlich erzielen kann. Das genetische Potential der Baumwolle legt ihre grundlegende Architektur sowie Eigenschaften wie Trockenheitsresistenz oder Schädlingsresistenz fest. Es entscheidet darüber hinaus maßgeblich, wie sich der Einsatz bestimmter Betriebsmittel auf den Ertrag auswirkt. Hier ist vor allem von Bedeutung, ob die wirtschaftlich entscheidende Faserproduktion bzw. Faserqualität oder das allgemeine Pflanzenwachstum im Vordergrund steht. Das ICAC weist darauf hin, dass eine Steigerung der Erträge durch die Züchtung von Baumwollsorten mit «kompakter Architektur» erreicht werden kann. Dies erfordere auch ein ‚Canopy Management‘ bzw. Blatt-Dach-Management, bei dem übermäßiges vegetatives Pflanzenwachstum in einer kritischen Phase eingedämmt wird. Hier wird deutlich, dass die Genetik einer Baumwollsorte nicht ohne Umweltfaktoren und entsprechende landwirtschaftliche Praktiken betrachtet werden kann.

Umweltfaktoren

Zu den Umweltfaktoren gehören Bodengegebenheiten bzw. Bodengesundheit, generelle klimatische Bedingungen, Wetterbedingungen zu kritischen Zeitpunkten der Pflanzentwicklung, Schädlingsdruck sowie Niederschläge. Baumwolle benötigt ausreichend Sonneneinstrahlung und Temperaturen von rund 30 Grad für die Reifung. Darüber hinaus ist Wasserzufuhr in bestimmten Wachstumsphasen für eine gesunde Kapselentwicklung erforderlich. Auch dauerhaft zu heiße Temperaturen über 40 Grad schaden der Pflanze, wie etwa Pakistan in der letzten Saison erfahren musste. Grundsätzlich lassen sich die regionalen Gegebenheiten nur wenig beeinflussen. Sie sind aber entscheidend dafür, ob Baumwolle dort wächst und wie unterstützend diese Bedingungen sind. Es ist deshalb zum einen wichtig, dass das Saatgut auf Basis seiner Züchtung auf die jeweilige Umgebung angepasst ist. Zum anderen kommen landwirtschaftliche Praktiken und Betriebsmittel ins Spiel, um eventuelle Nachteile eines Standorts auszugleichen und eine bestmögliche Versorgung der Pflanze mit Nährstoffen sicherzustellen.

Produktionstechnologien und landwirtschaftliche Praktiken

Unter Produktionstechnologie fällt eine breite Palette an Möglichkeiten, um Feldfrüchte optimal zu versorgen und höchstmögliche Erträge zu erzielen. Das beginnt bei der Saatzucht (siehe oben) und setzt sich fort über die vorbereitende Bodenbearbeitung, Aussaatmethoden und Pflanzgeometrie. Größere Abstände zwischen den Pflanzen werden beispielsweise in Indien, Thailand, Bangladesch, Uganda, Sudan, Tansania und den meisten afrikanischen Ländern eingehalten. Der Pflanzenbestand liegt in diesen Ländern bei weniger als 30.000 pro Hektar. Es ist vielleicht kein Zufall, dass die fünf führenden Länder – Australien, Brasilien, China, Mexiko und die Türkei – mit hohen Erträgen von mehr als 1.500 kg Lint pro Hektar auch über hohe Pflanzquoten von mehr als 100.000 Pflanzen pro Hektar verfügen. Während der Wachstumsphase ist die passende Nährstoffgabe, Schädlingsbekämpfung und Wasserzufuhr entscheidend. Wie bereits oben angedeutet, ist teilweise auch eine Begrenzung des Blattwachstums angebracht, so dass die Energie mehr Verwendung für die Erzeugung von Fasern findet. Ebenso wirkt sich der Einsatz digitaler Technologien bei Maschinen und der Einsatz von Sensoren zur Kontrolle der Pflanzenentwicklung auf die Erträge aus.

Bild: USDA – Baumwollaussaat – Foto von Chenghai Yang

Wissen und Technologiezugang

Das komplexe Zusammenspiel all dieser Einflussfaktoren ist Gegenstand der agronomischen Forschung rund um die Baumwolle. Die richtige Anwendung der Erkenntnisse setzt einerseits umfassendes Wissen über die Zusammenhänge der Baumwollkultivierung voraus, andererseits Zugang zu den entsprechenden Technologien und Produktionsmitteln. Bei diesen Faktoren dürfen die politischen Rahmenbedingungen und finanzielle Unterstützung der Bauern als weitere indirekte Einflüsse auf die Erträge gelten. Ob sich Bauern eine Ausbildung leisten können, Betriebsmittel angeschafft werden oder Bewässerung finanzierbar ist, hängt nicht nur in ärmeren Ländern oft von staatlicher Unterstützung ab.

Quellen: ICAC Cotton Data Book 2020 sowie The ICAC Recorder 2/2019 und 3/2018

DNFI Innovation in Natural Fibres Award 2021

Bereits zum fünften Mal seit 2017 ruft die Discover National Fibre Initiative auf, sich für den mittlerweile begehrten “DNFI Innovation in Natural Fibres Award” zu bewerben. Ziel des Preises ist es, die Leistungen der gesamten Naturfaserbranche ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Dies geschieht durch die Auszeichnung innovativer, fortschrittlicher Arbeiten und Projekte in der Erzeugung und Verwendung von Naturfasern.

“Wir nehmen derzeit ein verstärktes Interesse an Naturfasern wahr. Die unschlagbaren Eigenschaften von natürlich hergestellten Materialien, wie etwa biologische Abbaubarkeit und Erneuerbarkeit, müssen hervorgehoben werden. Das ist die Zukunft!”, so Elke Hortmeyer, Vorsitzende der DNFI und Direktorin Kommunikation und Internationale Beziehungen der Bremer Baumwollbörse.

Die Preise werden in drei Kategorien vergeben: Innovative Produkte/Komponenten oder Anwendungen, innovative Prozesse/Verfahren und Forschung/Wissenschaft.

Kandidaten für den DNFI Innovation in Natural Fibres Award 2021 sind eingeladen, ihre Vorschläge bis zum 10. September 2021 einzureichen. Weitere Informationen und Bewerbungsunterlagen: DNFI-Homepage https://dnfi.org/dnfi-award.

Quelle: DNFI

Wie viel Wasser braucht Baumwolle wirklich?

Interview mit Dr. Ed Barnes, Senior Director der Agrar- und Umweltforschung bei Cotton Incorporated, USA.

Wasserverbrauch im Baumwollanbau ist einer der zentralen Aspekte in der Nachhaltigkeitsdiskussion um den Rohstoff. Wir haben im Nachgang der Internationalen Baumwolltagung Bremen einen in der Fachwelt renommierten Experten zum Thema befragt: Dr. Ed Barnes, Senior Director der Agrar- und Umweltforschung bei Cotton Incorporated, USA. Dr. Barnes erläutert im Interview mit der Cotton Report-Redaktion die wesentlichen Punkte der Wasserdiskussion.

Bremen Cotton Report: Weshalb kursieren so unterschiedliche Zahlen zum Wasserverbrauch von Baumwolle?

Ed Barnes: Für die unterschiedlichen Angaben zur Wassernutzung gibt es verschiedene Gründe. Einer davon ist die Verwendung veralteter Daten, die die aktuelle globale Wassernutzung nicht korrekt wiedergeben. Beispielweise können viele der überhöhten Zahlen im Internet auf ein 1999 veröffentlichtes Whitepaper zurückverfolgt werden. Dieses gab den Wasserbedarf zur Erzeugung von einem Kilo Baumwolle mit 7.000 bis 29.000 Litern an. Der höhere Wert resultierte aus einer Studie, in der die Baumwollerträge durch Insektenbefall bei unter 100 Kilogramm pro Hektar lagen. In den letzten 20 Jahren nahmen die weltweiten Erträge jedoch deutlich von durchschnittlich 600 auf 750 Kilogramm pro Hektar zu, ohne dabei den Wasserbedarf zu erhöhen. Daher ist es so wichtig, aktuelle Daten zu nutzen.

Einen weiteren Grund für Verwirrung stiften die verschiedenen Arten, den Wasserbedarf zu erfassen sowie ein unpräziser Umgang mit den entsprechenden Begrifflichkeiten. Beispielsweise enthalten manche Kennzahlen Niederschläge, manche nur Bewässerung. Während einige Zahlen wiederum den Wasserbedarf zur Erzeugung eines Kilogramms Saatbaumwolle (inklusive Samen) angeben, betrachten andere nur die Fasererzeugung. Meine bevorzugte Metrik ist “blaue Wassernutzung” im Rahmen einer Ökobilanzanalyse (Life cycle assessment (LCA)). Diese Kennzahl gibt an, welche Menge an Wasser an zusätzlicher Bewässerung eingesetzt wird, um ein Kilo Baumwolle von Feld bis zum Ballen zu produzieren. Nach der 2015 von Cotton Incorporated durchgeführten LCA-Studie liegt der globale Schätzwert für den Wasserverbrauch durch Bewässerung von Baumwolle bei 1560 Litern pro Kilogramm Faser. Diese Studie basiert auf Landwirtschaftsdaten aus den USA, Indien, China und Australien. (Zur LCA-Studie)

Also benötigt Baumwolle tatsächlich viel Wasser?

1560 Liter mögen zunächst nach einer großen Menge klingen, aber in Wirklichkeit ist dies eine typische Größenordnung für viele andere Agrarprodukte. Die jährliche Gesamtmenge an Wasserverbrauch einer Baumwollkultur liegt unter dem eines Rasens. Zudem entfallen auf Baumwolle nur drei Prozent des weltweiten landwirtschaftlichen Wasserbedarfs (weitere Details im Factsheet über Wasser und Baumwollproduktion).

Können Sie die “Wasserfarben” erklären und verdeutlichen, inwiefern sie hilfreich sind, den Wasserverbrauch von Agrar- und anderen Produkten zu bewerten?

Gerne. Ähnlich zum Konzept des „CO2-Fußabdrucks“ wurde die Idee eines „Wasserfußabdrucks“ entwickelt. Der Wasserfußabdruck bezeichnet die Summe der Nutzung von grünem, blauem und grauem Wasser. „Grünes“ Wasser ist im Wesentlichen das Wasser der Niederschläge, die auf dem Feld niedergehen und von der Pflanze dort genutzt werden. „Blaues“ Wasser umfasst jenes Wasser, das dem Grundwasser, Flüssen oder Seen entnommen wurde, um ein Produkt zu erzeugen. „Graues“ Wasser stellt die Wassermenge dar, die zur Verdünnung der mit der Herstellung eines Produkts verbundenen Verschmutzung benötigt wird. Die Berechnung von blauen und grünen Wassermengen ist relativ einfach. Die Bestimmung des grauen Wasserbedarfs ist dagegen komplizierter, da dieser die erforderliche Wassermenge berücksichtigt, um bestimmte Wasserqualitätsstandards zu erfüllen sowie den Verbleib und Transport von Chemikalien betrifft. Daher kommt es bei der Berechnung von grauem Wasserbedarf häufiger zu Fehlern als bei grünem und blauem.

Zu beachten ist dabei, dass der Fußabdruck nur auf dem Wasserverbrauch basiert. Das heißt, er umfasst Wasser, das ein Wassereinzugsgebiet verlässt und an anderer Stelle als Niederschlag fällt. Der Fußabdruck bildet aber nicht das Wasser ab, das verbraucht und dann in dasselbe Wassereinzugsgebiet zurückgeführt wird. Beispielsweise ist der Wasserverbrauch von Kraftwerken zur Energieerzeugung recht hoch. Dieses Wasser trägt jedoch nicht zum Wasserfußabdruck eines Produkts bei, da ein Großteil des Wassers zur Kühlung verwendet wird und wieder in den ursprünglichen See oder Fluss zurückgeführt wird.

Aus diesem Grund sind Vergleiche der Wasserfußabdrucke von landwirtschaftlich basierten Produkten mit solchen ohne landwirtschaftliche Vorprodukte nur teilweise aussagekräftig. In diesem Zusammenhang ist es immer wichtig, sich vor Augen zu führen, dass das auf dem Feld eingesetzte Wasser verdunstet und dadurch nicht an Qualität verliert oder verloren ist. Dieses Wasser wird zu einem anderen Zeitpunkt an einem anderen Ort wieder zu Niederschlag, der wiederum dazu dienen kann, andere Pflanzen anzubauen.

Wo liegen die Unterschiede des Wasserverbrauchs bei biologischen und bei konventionellen Baumwollanbaumethoden?

Die Unterschiede im gesamten Wasserbedarf von biologischer und konventioneller Baumwolle sind in der Regel klein. Bei einem Feld mit konventioneller Baumwolle neben einem Feld mit Biobaumwolle etwa ist das Klima der Hauptfaktor, der den Gesamtwasserverbrauch der Pflanze beeinflusst und ob sie bewässert wird oder nicht. In trockenen, heißen Regionen benötigen Baumwollpflanzen insgesamt mehr Wasser als in kühleren, feuchten Gegenden. Der erhöhte Wasserverbrauch wird im Allgemeinen durch eine steigende Produktivität ausgeglichen, da Baumwolle hitzetolerant ist und von der höheren Sonneneinstrahlung in trockenen Regionen profitiert.

Zu einiger Verwirrung führte ein LCA zum Biobaumwollanbau, bei dem die Mehrheit der in die Studie aufgenommenen Betriebe keine Bewässerung einsetzte. In den meisten Jahren hatte es dort ausreichend Niederschläge gegeben, um den Bedarf der Pflanzen zu decken. Dies führte zu einem deutlich niedrigeren Wert für den Verbrauch von blauem Wasser als der globale Durchschnitt aus der von Cotton Incorporated durchgeführten Studie. Diese Unterschiede ergeben sich jedoch nicht aus dem Produktionssystem (bio-organisch oder konventionell), sondern spiegeln eher die unterschiedlichen Klimazonen in den beiden Studien wider. Zum Beispiel sind viele Baumwollanbaugebiete in den USA auch auf Regenfälle angewiesen (keine künstliche Bewässerung). Daher hätten diese entsprechend einen Verbrauchswert für blaues Wasser nahe Null, unabhängig davon, welche Produktionspraktiken verwendet werden.

 

Welche Rolle spielt die Bodengesundheit für die Wasseraufnahme und gibt es in diesem Zusammenhang Unterschiede in den Anbaumethoden?

Die Bodengesundheit kann eine große Rolle für die Wasseraufnahme der Baumwollpflanze spielen, insbesondere in Regionen mit Regenfeldbau. Dies sind Gebiete, in denen Baumwolle ohne jegliche Bewässerung angebaut wird, was etwa für 50 Prozent der weltweiten Baumwollproduktion zutrifft.  Bei vielen Bodentypen, insbesondere bei sandigen Böden, erhöht eine größere Menge an organischer Substanz im Boden die Fähigkeit des Bodens, Wasser zu speichern. In einem sehr sandigen Boden kann zum Beispiel eine Zunahme der organischen Substanz um zwei Prozent die Wasserspeicherkapazität des Bodens verdoppeln. Eine reduzierte Bodenbearbeitung sowie der Anbau von Zwischenkulturen zur Bodenbedeckung können die organische Substanz erhöhen. Damit wird zudem die Wahrscheinlichkeit verringert, dass Niederschläge vom Feld abfließen. Das heißt allerdings nicht, dass diese Praktiken überall geeignet sind. In einigen Regionen mit Regenfeldbau wird beispielsweise der im Boden gespeicherte Niederschlag des Winters für den Baumwollanbau benötigt und kann nicht für eine Deckfrucht genutzt werden.

Welcher Zusammenhang besteht zwischen Wasserangebot und Baumwollerträgen sowie Qualitätseigenschaften der Faser?

Während Baumwolle zwar hitze- und trockenheitstoleranter ist als die meisten Nutzpflanzen, wird ihre Produktivität dennoch durch Wasserstress beeinflusst. Wasserstress während der Faserbildung kann auch die Länge und Gleichmäßigkeit der Faser reduzieren, da es der Turgordruck in der Pflanze ist, der die Ausdehnung der Faser ermöglicht. Solange es also eine verantwortungsvoll nutzbare Wasserquelle gibt, ist die Bewässerung eine nachhaltige Praxis, da sie die Menge an Land minimiert, die für die Erzeugung von einem Kilogramm Baumwolle benötigt wird.

Vielen Dank für das Gespräch!

Bonus -Link – Zusammen mit weiteren Autoren habe ich 2020 eine Studie veröffentlicht, die untersucht, welche Technologien zur Produktivitätssteigerung von Baumwolle beigetragen haben: https://cottoncultivated.cottoninc.com/wp-content/uploads/2020/12/Fourty-years-Cotton-Water-Online26Aug2020.pdf.

Die Interviews entsprechen der Meinung des jeweiligen Interviewpartners und geben nicht die Position der Bremer Baumwollbörse als neutrale, unabhängige Institution wieder.

Faktencheck: Anteil Baumwolle am globalen Pestizideinsatz

Baumwolle ist entgegen weitläufiger Behauptungen nicht der größte Verbraucher von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft – sie ist sogar einer der kleinsten. Nach aktuellen Zahlen macht Baumwolle weniger als fünf Prozent des gesamten Pestizidumsatzes in der Welt aus. Es wird geschätzt, dass ohne Pflanzenschutz über 80 Prozent der weltweiten Baumwollernte durch Insekten, Pilzbefall und Unkraut verloren gehen würde.

ICA Bremen

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