Baumwollbörse

Dr. Maryam Naebe gewinnt den DNFI Award 2021

DNFI Logo

Dr. Maryam Naebe, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Deakin University, Institute for Frontier Materials (IFM), Australien, gewinnt den Preis für Innovationen im Naturfaserbereich 2021 der Discover Natural Fibres Initiative. Dr. Naebe und ihr Team am IFM haben ein besonderes, leichtes Textilvlies entwickelt, das als Dämmmaterial in Fahrzeugen verwendet werden kann. Das Gewebe wird aus einer Mischung von frischer Schurwolle und wiederverwendeten Fasern hergestellt.

Die meisten Dämm­stoffe, die derzeit in Kraftfahrzeugen verwendet werden, bestehen aus erdölbasierten Polyester-, Polyethylen- und Polystyrolproduk­ten. Führende Automobilhersteller gehen jedoch dazu über, die Innenraummaterialien durch leichtere und biologisch abbaubare Naturfasern zu ersetzen. Wolldämmstoffe weisen die gleichen Leistungsmerkmale in Bezug auf Schallabsorption, Wärmewiderstand und Luftdurchlässigkeit auf wie die derzeit verwendeten Materialien. Darüber hinaus ist Wolle von Natur aus geruchs- und flammhemmend sowie antibakteriell.

Dr. Naebe wies darauf hin, dass Wolle als Naturfaser eine einzigartige chemische und physikalische Struktur hat, die ihr inhärente thermische und akustische Dämmeigenschaften verleiht. Dies macht Wolle zu einem vielversprechenden Kandidaten für eine nachhaltige Dämmung.
Quelle: DNFI

 

Innovative Produkte aus Baumwolle

Rückblick: Keythemen der Internationalen Baumwolltagung 2021

Wissenschaftler weltweit forschen an der Weiterentwicklung und den Verwendungsmöglichkeiten von Baumwolle. Eine Session der Bremer Baumwolltagung 2021 widmete sich den neuesten Ergebnissen aus Forschung und Entwicklung.

Baumwolle mit besonderen biologischen Eigenschaften

Dr. Filipe Natalio, Principal Investigator, Weizmann Institute of Science, Israel, präsentierte das Thema ‚Material Farming‘: Anbau von Baumwolle mit einzigartigen Funktionen.

Die Idee des ‘Material Farming’ besteht darin, die Materialwissenschaft mit biologischen Systemen zu verknüpfen. Dabei handelt es sich um eine Anpassung natürlicher Rohstoffe, mit dem Ziel komplexe biologische Materialien zu erzeugen, die gleichzeitig die Unzulänglichkeiten von Chemie und Biotechnologie überwinden. Die Funktionalität von Fasern kann durch chemische Veredel­ung verändert werden, aber solche Beschichtungen nutzen sich mit der Zeit ab. Alternativ macht es aktuelle Forschung möglich, biologische Prozesse zu nutzen, um bestimmte Funktionen in Baumwollfasern zu integrieren.

Im vorgestellten Beispiel modifizierte der Wissenschaftler Dr. Filipe Natalio den natürlichen Syntheseprozess der Faser, um die Baumwolle mit weiteren molekularen Bausteinen anzureichern. Baumwollfasern werden durch die molekulare Verbindung von Glukosebausteinen zu Zellulose gebildet. Diese chemische Synthese kann durch eine 20-tägige Reifung der Baumwoll-Eizellen in einem Medium verändert werden. Mit dieser Technik ist es Dr. Natalio gelungen, fluoreszierende und magnetische Baumwollfasern herzustellen. Diese vorläufigen Ergebnisse demonstrieren das Konzept der Herstellung modifizierter Fasern mit Eigenschaften, die durch Abnutzung oder Waschen nicht abnehmen.

Zu den möglichen Anwendungen gehören Fasern, die von Natur aus farbig sind, oder hydrophobe, selbsttätige Textilien. Zudem könnte eine Bibliothek von Baumwollmolekülen für die Rückverfolgbarkeit erstellt werden. Eine weitere Absicht ist es, Baumwollfasern mit einer breiten Palette von Funktionen zu schaffen, um Nachhaltigkeitsbestrebungen zu unterstützen. Dr. Natalio erklärte, dass kommerzielle Versuche innerhalb von zwei Jahren durchgeführt werden könnten. Die entstehenden Fasern seien biologisch abbaubar.

Bild: Fluroreszierende Baumwolle, F. Natali, Univ. Halle-Wittenberg

Bioplastik aus Baumwolle

Dr. Noureddine Abidi, Professor und Direktor, Institut für Faser- und Biopolymerforschung, Texas Tech University, USA, stellte ein Verfahren zur Umwandlung von Baumwollzellulose in Biokunststofffolie vor. Grundlage dafür seien Baumwollfasern, die zu mehr als 90 Prozent aus Zellulose bestehen.

Die starken inter- und intramolekularen Wasserstoffbrückenbindungen innerhalb der Glukosemoleküle, die die Zellulose bilden, führen zu den hervorragenden mechanischen Eigenschaften der Baumwollfasern. Dr. Abidi wies darauf hin, dass sich Baumwollzellulose dadurch aber nur schwer auflösen lasse.

Das von Dr. Abidi entwickelte Verfahren zur Herstellung von Kunststofffolien nutzt gereinigte und gebleichte Baumwolle von geringer Feinheit. Die Baumwolle wird zunächst in einer Lösung bei 50 Grad Celsius aufgelöst und dann 12 Stunden lang bei 105 Grad gehalten, um ein Zellulosegel zu bilden. Das Gel kann zu einem Hydrogel-Film weiterverarbeitet werden. Durch Heißpressen verwandelt sich das Gel in einen trockenen Film, der elastisch und flexibel ist. In seiner Präsentation beschrieb Dr. Abidi die Leistungsmerkmale des daraus resultierenden Biokunststofffilms, wie Elastizität und Dehnung sowie die hydrophoben und thermischen Eigenschaften.

Potenzielle Anwendungen für die neue Folie sind der Ersatz von Plastikverpackungen und Einwegtüten.

Wasserabweisende Gewebe, flammenhemmende Baumwollvliese, heilende Kleidung

Während der Session stellten außerdem weitere Referenten Forschungsprojekte oder innovative Produkte und Materialien vor.

Daniel Odermatt, Marketing Manager Ventil, Stotz Fabrics, Schweiz, hielt einen Vortrag zum Thema innovative Baumwollgewebe für Funktionsbekleidung. Ventil Gewebe sind wasserdicht, wasserabweisend und winddicht, aber atmungsaktiv. Jacken und Mäntel sind der größte Markt für dieses Material.

Tim Natzschka, R&D Projektmanager, Norafin Industries GmbH, Deutschland, hielt einen Vortrag über Baumwolle als Rohstoff für spezielle technische Anwendungen. Er erläuterte, dass Norafin Industries Vliesstoffprodukte aus kardierten Fasern mit einem speziellen Wasserstrahlverflechtungsverfahren herstellt.

Agnieszka Cichocka und Dr. Iwona Frydrych von der Technischen Universität Lodz, Polen, sprachen über das Thema 3D-Design von Baumwoll-/Flachsbekleidung mit medizinischen Mikrokapseln zur Behandlung von Hautkrankheiten.

Alle Präsentationen und Aufsätze zur Bremer Baumwolltagung 2021 finden Sie hier.

Nachgefragt: Biobaumwolle – Robuste Nachfrage

Interview mit Maximilian Daebel, Vice President des Bremer Baumwollhändlers Otto Stadtlander.

Im Zuge verstärkter Nachhaltigkeitsbestrebungen in der Textil- und Bekleidungsbranche gerät die Beschaffung von Biobaumwolle vermehrt in den Fokus von Marken und Einzelhändlern. Der Markt von Biobaumwolle weist derzeit eine hohe Dynamik auf. Die Bremen Cotton Report-Redaktion sprach mit Maximilian Daebel, Vice President des Bremer Baumwollhändlers Otto Stadtlander, über die aktuelle Angebots- und Nachfragesituation.

Woher kommt die derzeit deutlich steigende Nachfrage nach Biobaumwolle?

Seit einiger Zeit bemerken wir die Auswirkungen verschiedener Initiativen, die sich den vermehrten Einsatz nachhaltig produzierter Baumwolle zum Ziel gesetzt haben. Für Deutschland ist das Bündnis für nachhaltige Textilien zu nennen, während wir im internationalen Kontext sehr großen Einfluss der 2025 Sustainable Cotton Challenge (initiiert von der Textile Exchange) verspüren.

Der Großteil der international relevanten Brands und Retailer erfüllt nicht nur die Mindestanforderungen dieser Initiativen, nachhaltige Baumwolle einzusetzen, sondern geht einen Schritt weiter und verpflichtet sich zu dem Einsatz von Biobaumwolle.

Mit dem Zusammenbruch vieler Lieferketten im Zuge der COVID-19-Pandemie war es ihnen möglich, nachhaltige Lieferketten von Grund auf zu planen und zu kommerzialisieren, dies haben wir vor allem an der preislichen Entwicklung von Q3/20 bis jetzt gemerkt.

Wo liegt der Preis für eine durchschnittliche bzw. am meisten gefragte Qualität von Biobaumwolle derzeit und wie hat sich der Preis entwickelt?

Die Preise für Biobaumwolle bewegen sich aktuell im Bereich 1,65-1,70 USD/lb für indische Biobaumwolle und 1,85-1,90 USD/lb für türkische Biobaumwolle (CIF Fernöstliche Häfen, Oktober-Verschiffung).

Die Prämie für indische Biobaumwolle gegenüber konventioneller hat sich von drei Prozent vor 12 Monaten auf ca. 60 Prozent verzwanzigfacht, die Prämie für türkische Biobaumwolle von 20 Prozent auf 65 Prozent verdreifacht. Dies ist maßgeblich der Nachfrage geschuldet.

Nicht zu vergessen ist der preisliche Anstieg konventioneller Baumwolle. Im Vergleich zum Beginn des zweiten Quartals 2020 haben sich die Preise für konventionell angebaute Baumwolle ebenfalls mehr als verdoppelt.

Bedeuten höhere Preise, dass die Bauern mehr Geld bekommen?

Im Vergleich zum Vorjahr erhält der Großteil der Bauern einen höheren Preis für ihre Baumwolle, jedoch ist der Zeitpunkt des „price-fixings“ zwischen Farmer und Ginner (Entkörnungsbetrieb) ausschlaggebend. Möglicherweise konnten so noch nicht alle Bauern an der positiven Preisentwicklung partizipieren. Jedoch nähern wir uns bereits mit großen Schritten der Aussaat der 2022/23-Ernte – sofern sich das Preisniveau hält, werden viele Bauern die für sie sehr positive Preisentwicklung der Biobaumwolle berücksichtigen und realisieren können.

Wird es bei der zunehmenden Nachfrage nach Biobaumwolle irgendwann „Skaleneffekte“ geben, die den Preis dämpfen?

Das aktuelle Preisgefüge, im Besonderen die Prämie, kompensiert nicht nur verringerte Erträge im Vergleich zum Anbau konventioneller Baumwolle, sondern ermöglicht auch einen höheren Gewinn der Farmer. Dies fördert den Anbau von Biobaumwolle ungemein. Wir sehen die Nachfrage weiterhin als sehr robust an, nur ein Bruchteil wird aktuell befriedigt und bestehende Verpflichtungen seitens der Brands und Retailer werden konsequent durchgesetzt.

Inwiefern es Skaleneffekte geben wird, bleibt abzuwarten. Der Biobaumwollanbau beschränkt sich momentan auf lediglich ein Prozent des weltweiten Baumwollanbaus, hier ist also noch viel Luft nach oben.

Statt auf Skaleneffekte zu setzen, sollten die bei Brands und Retailern bestehenden Verpflichtungen zur Nutzung nachhaltig produzierter Baumwolle nicht als Nachteil verstanden werden, sondern als Chance. Mit prognostizierten Abnahmemengen und verschlankten Lieferketten kann man die Volatilität in den Preisen reduzieren, langfristig und wirtschaftlich planen.

Wie ist eine Steigerung des Biobaumwollanbaus möglich?

Da Biobaumwolle im Vergleich zu konventioneller Baumwolle einen geringeren Ertrag realisiert, ist es wichtig, Farmer in der Übergangszeit (in-conversion) zu unterstützen. Dies geschieht idealerweise mit Abnahmeverpflichtungen von ‚Organic-in-conversion‘-Baumwolle.

Ein organisches Wachstum kann es im Biobaumwollanbau nur geben, wenn alle Akteure das Potenzial realisieren und zusammen agieren: weg von dezentralen und opportunistischen Supply Chains, hin zu einer organisierten, planbaren und skalierbaren Hand-in-Hand-Lieferkette.

Es gab vor einiger Zeit Berichte über gefälschte Zertifikate von Biobaumwolle. Sind die Probleme gelöst?

Es ist davon auszugehen, dass die Problematik mit gefälschten bzw. duplizierten Zertifikaten unter Kontrolle gebracht wurde, jedoch ist nach wie vor Skepsis in der Lieferkette angebracht. Die Vervielfachung der Prämie für Biobaumwolle schafft Anreize, Kontrollmechanismen zu umgehen und falsch deklarierte Baumwolle in den Umlauf zu bringen.

Glücklicherweise wurde diese Problematik seitens der Bio-Standards und Certifying Bodies aufgegriffen und eine kontinuierliche Verfeinerung der Kontrollmechanismen findet statt.

Die in unseren Lieferketten präsenten Bauern und Ginner kennen wir persönlich und können Unregelmäßigkeiten durch regelmäßige Audits bereits im Anbaustadium erkennen und zusammen mit Certifying Bodies entsprechend reagieren. Darüber hinaus unterziehen wir sämtliche von uns gekaufte Biobaumwolle GMO-Analysen in unabhängigen europäischen Laboren.

Welche Entwicklungen gibt es, um die Transparenz der Lieferkette von Biobaumwolle zu erhöhen?

Es gibt einige interessante und vielversprechende Ansätze. Einer zum Beispiel ist die Markierung der Baumwollfasern in der Gin. Hierbei wird einer Faser ein einzigartiger fluoreszierender „Fingerabdruck“ beigemischt und verbleibt rückverfolgbar bis ins Endprodukt.

Ob die Ergebnisse der Zwischenteste entlang der Lieferkette nun in simplen Datenbanken oder mittels Blockchain abgespeichert werden, ist dann sekundär.

Vielen Dank für das Interview!

Die Interviews in der Rubrik „Nachgefragt“ entsprechen der Meinung des jeweiligen Interviewpartners und geben nicht die Position der Bremer Baumwollbörse als neutrale, unabhängige Institution wieder.

Siebter Oktober ab jetzt Weltbaumwolltag

Bremen, 7. Oktober 2021 – Die Vereinten Nationen haben beschlossen, den 7. Oktober als Weltbaumwolltag in ihren ständigen Kalender aufzunehmen. Sie folgten hierbei einem Vorschlag der westafrikanischen Baumwollanbauländer Benin, Burkina Faso, Tschad, Elfenbeinküste und Mali.

Schon vorher wurde der Weltbaumwolltag gefeiert. Ins Leben gerufen wurde er erstmals am 7. Oktober 2019 am Hauptsitz der Welthandelsorganisation (WTO) in Genf, zusammen mit vier weiteren Gründungsorganisationen. Dazu zählen das Internationale Baumwollsekretariat (ICAC), das Internationale Handelszentrum (ITC), die Welternährungsorganisation (FAO) und die Welthandels- und Entwicklungskonferenz (UNCTAD). Auch die Bremer Baumwollbörse beteiligt sich am Weltbaumwolltag.

Baumwolle in Zimbabwe © Bremer Baumwollbörse

 

Baumwolle ist einer der wichtigsten Textil- und Modefasern

Der ‚World Cotton Day‘ soll die wirtschaftliche Bedeutung von Baumwolle und den Millionen von Menschen, die in der weltweiten Baumwoll- und Textilindustrie arbeiten, in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rücken. Sie sollen mit Events gefeiert werden, gleichzeitig wird zur Unterstützung bei der Armutsbekämpfung in Entwicklungsländern aufgerufen.

Baumwolle ist eine der wichtigsten Fasern der Textil- und Modeindustrie und ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor für unzählige Menschen, insbesondere in Entwicklungsländern:

  • Baumwolle wird in über 70 Ländern angebaut und verschafft jedes Jahr Millionen von Menschen ein Einkommen.
  • Eine einzige Tonne Baumwolle bietet ganzjährig Beschäftigung für schätzungsweise fünf bis sechs Menschen und dies oft in einigen der ärmsten Gegenden der Welt
  • Baumwolle ist die einzige landwirtschaftliche Nutzpflanze, die sowohl Fasern als auch Nahrungsmittel liefert.
  • Baumwolle hat einen negativen CO2-Fußabdruck und sie ist im Gegensatz zu Polyester biologisch abbaubar: Es entsteht kein Mikroplastik zu Land oder im Wasser!

 

Diesjähriges Motto “Cotton for Good”

Das Motto des diesjährigen World Cotton Day lautet “Cotton for Good“. Die internationale Baumwollgemeinschaft veranstaltet aus diesem Anlass eine virtuelle Feier, bei der namhafte Redner verschiedener global operierender Organisationen präsent sind. (www.worldcottonday.com). Dazu gehören unter anderem die Dachorganisation der Baumwollindustrie ICAC, die Better Cotton Initiative und die African Cotton Foundation. Die Hauptthemen werden verantwortungsvolle Mode, Nachhaltigkeit und die Bedeutung von Baumwolle in Ländern auf der ganzen Welt sein. Nachhaltige Baumwollproduktion wird erfahrbar gemacht auf www.worldcottonday.com!

Die Bremer Baumwollbörse macht mit drei Videos auf der Homepage des Weltbaumwolltags unter der Headline ‚In Baumwolle steckt mehr als Du denkst‘ auf die Bedeutung von Baumwolle aufmerksam.

Weitere Informationen über den Weltbaumwolltag und seine Aktivitäten finden Sie unter www.worldcottonday.com. Folgen Sie #WorldCottonDay in den sozialen Medien und beteiligen Sie sich an der weltweiten Diskussion.

Infodrmationen zum World Cotton Day auf den Seiten der Bremer Baumwollbörse.

Kontakt:

Bremer Baumwollbörse

Elke Hortmeyer, Kommunikation und internationale Beziehungen

Tel.:+49-421-3397016

Email: hortmeyer@baumwollboerse.de

Online-Event zum World Cotton Day: Technischer Roundtable zum nachhaltigen Baumwollanbau

Diversifizierte Anbausysteme und diversifizierte Landschaften sind ein wichtiger Baustein zur Erhöhung der Resilienz von Kleinbauern in Zeiten von Klimawandel und ökonomischen Krisen. Zudem steigt die Nachfrage nach nachhaltig produzierter Baumwolle deutlich und mehrere große Marken haben angekündigt, bis 2025 ausschließlich nachhaltige Baumwolle zu verwenden. Nach einer Prognose der Boston Consulting Group (BCG) wird der rasche Anstieg der Nachfrage das Angebot an nachhaltigen Ressourcen wahrscheinlich übersteigen und zu einer Verknappung führen.

Der Technical Roundtable findet am 7. Oktober 2021 um 15 Uhr (CET) statt. Es diskutieren verschiedene Akteure der Baumwolllieferkette, unter anderem von der GIZ und BCI, über Diversifizierung im kleinbäuerlichen Baumwollanbau.

Für weitere Informationen zum Event am World Cotton Day sowie Registrierung (auf Englisch) klicken Sie bitte auf das Logo:

6. Innenhoffest der Bremer Baumwollbörse

Am 9. September 2021 lud die Bremer Baumwollbörse ihre Mieter sowie ansässige Mitgliedsunternehmen zum 6. Innenhoffest ein.

Die Bremer Baumwollbörse ist nicht nur als Verband im internationalen Baumwollmarkt tätig, sondern auch Vermieterin eines denkmalgeschützten Kontorhauses am Bremer Markt. Alle zwei Jahre richtet sie ein geselliges Beisammensein in den Innenhöfen des Gebäudes zum Kennenlernen und Vernetzen aus – ­dieses Mal unter Coronabedingungen und den entsprechenden Hygienevorkehrungen. Mit Currywurst, Falafel und einer reichlichen Auswahl an Kaltgetränken sowie guter musikalischer Begleitung war für das leibliche und akustische Wohl der Gäste gesorgt.

 

„Schein und Sein“ – Tag des offenen Denkmals

Am 12. September 2021 fand bundesweit der Tag des offenen Denkmals unter dem Thema „Schein und Sein“ statt. Auch die Bremer Baumwollbörse öffnete an diesem Tag traditionell ihre Pforten für Besucher. Leider konnten trotz des großen Interesses coronabedingt nur vier Führungen mit je zehn Teilnehmern angeboten werden. Zu den Highlights des denkmalgeschützten Kontorhauses von 1902 gehörten die Mosaiken im Eingangsbereich, die wunderschön verzierten Treppenaufgänge sowie der Ausblick auf den Bremer Markt aus dem „Turmzimmer“. Die Besucher erhielten auch einen Einblick in das Herzstück des Gebäudes, die Labor- und Arbitrageräume der Bremer Baumwollbörse. Hier lagert Baumwollreferenzmaterial aus mehr als 40 Ländern und modernes Laborequipment dient der Prüfung von Baumwollproben zur Sicherstellung eines reibungslosen Handels.

Die Bremer Touristik-Zentrale bietet regelmäßig Führungen durch die Bremer Baumwollbörse an. Außerdem zeigt auch eine erfahrene Bremer Gästeführerin von Stadtgeschichten Bremen interessierten Besuchern das historische Gebäude.

„Baumwolltag“ im Rahmen von textiler Seminarwoche in Bremen

Vom 9. bis 12. November 2021 bietet die Akademie für Textilveredelung eine Reihe von Seminaren in Bremen an, darunter einen Baumwolltag in Zusammenarbeit mit der Bremer Baumwollbörse.

Am „Seminartag Baumwolle“ am 11. November 2021 bei der Bremer Baumwollbörse rücken die drei Baumwollspezialisten Elke Hortmeyer und Karsten Fröse (beide Baumwollbörse) sowie Axel Drieling (Bremer Faserinstitut) die Naturfaser in den Mittelpunkt. Das eintägige Baumwollseminar vermittelt Grundlagenwissen und Fachkenntnisse über den Rohstoff, der die Märkte für Werbetextilien, Corporate Fashion, Berufskleidung, textile Accessoires und weitere dominiert. Die Veranstaltung bietet Raum für Weiterbildung, Austausch und Diskussion. Zudem gibt die Bremer Baumwollbörse Einblicke in das Labor sowie die Arbitrage- und Klassierräumlichkeiten der traditionsreichen Bremer Institution.

Gemeinsam mit Partnern wie dem Unternehmen Bremer Transferdruck und weiteren Unterstützern richtet die Akademie für Textilveredlung ihren Blick in weiteren Veranstaltungen auf die textile Warenkunde, das Thema Markenschutz und auf die Frage, was eigentlich mit Textilien passiert, die bei der mehrmonatigen Schiffspassage verschimmelt sind oder einen Havarie­schaden erlitten haben. Auch der Workshop „Was kann textile Aufarbeitung leisten?“ am 12. November 2021 findet in den Räumlichkeiten der Bremer Baumwollbörse statt.

 

Weitere Informationen zur Akademiewoche in Bremen: Website der Akademie für Textilveredelung

Seidensticker: Nachhaltigkeit gibt es nicht zum Nulltarif

Interview mit Gerd Oliver Seidensticker, geschäftsführender Gesellschafter der Seidensticker Unternehmensgruppe.

Seidensticker ist eine der bekanntesten Hemdenmarken Deutschlands und Mitglied der Bremer Baumwollbörse. Das Familienunternehmen aus Bielefeld steht seit mehr als 100 Jahren für Hemden und Blusen mit einem hohen Anspruch an Qualität. Gerd Oliver Seidensticker, geschäftsführender Gesellschafter, führt zusammen mit seinem Cousin Frank Seidensticker die Unternehmensgruppe in der dritten Generation. Im Interview mit der Bremen Cotton Report-Redaktion spricht er über die Bedeutung von Nachhaltigkeit, Lehren aus der Coronakrise und natürlich über Baumwolle – dem wichtigsten Rohstoff für Hemden.

Gerd Oliver Seidensticker    © Seidensticker

Was macht Ihre Produkte so besonders?

Beginnen wir bei der Qualität. Wir sind in unserer Geschichte nur selten Kompromisse in dieser Hinsicht eingegangen. So bekommt der Kunde immer eine Top-Produkterfahrung, sowohl was Passform als auch die physikalische Qualität angeht. Hinzu kommt, dass Seidensticker als eine der ersten Marken schon in den 50er Jahren aktiv Markenwerbung machte. Ich nenne es die Pralinenschachtel drumherum: Man muss das Produkt bewerben. Insgesamt hat das zu einer hohen Bekanntheit und Begehrlichkeit der Marke geführt. Das dritte Argument, vor allem für die Konsumenten, ist wohl die modische Wandlungsfähigkeit.

Baumwolle ist der wesentliche Rohstoff Ihrer Produkte. Gibt es einen Grund für diese Präferenz?

Ja, für die Deutschen und Anrainer sind Qualitätshemden nach wie vor aus Baumwolle. Zwar gibt es hier und da ein bisschen Stretchanteil, aber ausgesprochen wenig High-Tech. Was ich überhaupt nicht verwerflich finde, denn von den Trageeigenschaften her ist Baumwolle extrem angenehm. Ich mag die Haptik, ihre Eigenschaften und eben das Gefühl, etwas Natürliches auf der Haut zu haben. Hier folgen wir der Präferenz des Kunden. Dabei ist es wichtig, die benötigte Stapellänge und Garnqualität zu berücksichtigen. Leider hat die Kennerschaft hinsichtlich der Baumwollqualität abgenommen. So ist der Kunde gelegentlich verwirrt, weil er glaubt, diese Qualität auch zu günstigeren Preisen bekommen zu können. Wir haben für uns klare technische Anforderungen an Stapellänge und Garnqualität definiert.

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit für Ihr Unternehmen?

Nachhaltigkeit ist in meinen Augen von einem sogenannten „Hygiene­faktor“ zu einer „sine qua non“ Bedingung geworden – ohne diese geht es nicht mehr. Das freut uns, denn wir haben uns schon 2007 völlig gegen den Trend wieder für den Aufbau eigener Produktionen entschieden. Den Anspruch, der vom Endverbraucher, von den Systemen, aber auch von der Rechtsprechung auf uns zukommt, können wir so gut beherrschen.

Wie beurteilen Sie in diesem Kontext die Verpflichtungen des Lieferkettengesetzes?

Wir begrüßen das Lieferkettengesetz insofern, dass die Rechtsetzung nun Rahmenbedingungen und notwendige Regulative schafft. Kritisch sehe ich die nationale Reichweite, die zu einer Verzerrung führen könnte. Große, vertikal organisierte Unternehmen, die nicht aus Deutschland kommen, erhalten so einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den hiesigen Unternehmen – denn Nachhaltigkeit gibt es nicht zum Nulltarif. Seidensticker sehe ich allerdings in der Entwicklung eine Nasenlänge voraus, denn unsere bisherigen Investitionen werden dadurch zur Verpflichtung.

Sie planen, 2023 die vollständige Transparenz der Lieferkette zu erreichen. Welche Schritte und Methoden nutzen Sie dafür?

Transparenz schaffen kommt bei uns aus intrinsischer Motivation, das kann ich ehrlich sagen. Als erstes haben wir dafür in unsere eigenen Betriebe investiert, die Marke Seidensticker kommt zu großen Teilen aus eigener Fertigung. Dann nutzen wir ein eigenes Softwaresystem zur Dokumentation und Kontrolle unserer Nachhaltigkeitsstandards. Was die Tiefe angeht: Praktisch 100 Prozent der direkt beauftragten Lieferanten sind auf der Tier 1-Ebene unabhängig auditiert oder zertifiziert. Außerdem kennen wir fast 100 Prozent unserer Tier 2-Lieferanten, also die Weber. Auf Ebene der Gewebeherstellung verfügen ebenfalls bereits etwa 70 Prozent der Lieferanten über externe Auditierungen oder Zertifikate, Tendenz steigend. Die tieferen Stufen der Wertschöpfungskette, also die Garnherstellung oder der Baumwoll­anbau, sind für uns als mittelständisches Unternehmen schon schwieriger zu kontrollieren. Aber auch bei diesen Stufen streben wir an, sie zu 100 Prozent zu überblicken.

Wissen Sie, woher Ihre Baumwolle kommt?

Wir kaufen die Baumwolle, je nach dem für welches Land wir fertigen. Das ist oft US-Baumwolle oder chinesische Baumwolle, bei der wir anhand von Rechnungen den Ursprung sicherstellen. Wir greifen auch auf Baumwolle aller großen Anbauregionen zurück. Zudem nutzen wir zertifizierte Baumwolle, zum Teil Biobaumwolle und sind Mitglied der Better Cotton Initiative.

Welches Fazit ziehen Sie aus den Erfahrungen mit der Coronakrise?

Nach dem ersten Schock haben wir das getan, was wir immer machen (sonst vielleicht etwas langsamer): das Neue und Unerwartete begrüßen. An vielen Fronten mit viel Ungewissheit zu arbeiten, hat uns positiv herausgefordert. Man muss aber auch damit umgehen können. Es war eine tolle Erfahrung, wie unsere Leute mitgezogen haben und Reformkräfte initiativ wurden.

Konkret für unsere Prozesse bedeutete es: Unser Time-to-Market musste beschleunigt werden, einfach, weil zeitweise nun viel Ware im Markt sein wird, aber auch, um noch näher am Endverbraucher zu sein. Hier konnten wir durch digitale Tools und Videokonferenzen Prozesse einleiten, die bis zu vier Wochen Produktionsdurchlauf sparen. Durch Corona beschleunigt sich zudem der Modetrend, dass Menschen immer weniger bereit sind, sich für die Arbeit zu verkleiden. Ich nenne das den „New Office Look“. Wir müssen uns diesem Trend anpassen, weshalb wir in unseren Kollektionen den Anteil von Wirk- und Strickwaren deutlich erhöht haben.

Haben Sie als Verwender von Baumwolle einen Wunsch an die Baumwollindustrie?

Den ersten können Sie natürlich schwer erfüllen: Preisstabilität. Aber darüber hinaus glaube ich, dass das Thema Biobaumwolle wichtiger wird. Es wird zunehmend Probleme mit den Bedarfen geben – trotz der Preise, die schwer an den Endverbraucher zu transportieren sind. Sie kennen den Preis für hochwertige Biobaumwolle selbst wahrscheinlich am besten. Es wäre schade, wenn das nur über den Preis eines zunehmend knappen Gutes abgehandelt wird. Auch wir zögern immer noch bei der Menge von Biobaumwolle, weil der Preis zu hoch ist. Ich bin überzeugt, dass das Thema kein kurzfristiger Trend ist, sondern anhält. Da bleibt nur die Hoffnung auf eine „Economy of Scale“, die auch auf den Preis wirkt.

Vielen Dank für das Interview!

Bewerbung für den DNFI Award 2021 – Deadline 10. September

Bereits zum fünften Mal seit 2017 ruft die Discover National Fibre Initiative auf, sich für den mittlerweile begehrten „DNFI Innovation in Natural Fibres Award“ zu bewerben. Bewerber sind eingeladen, ihre Vorschläge noch bis zum 10. September 2021 einzureichen. Ziel des Preises ist es, die Leistungen der gesamten Naturfaserbranche ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Dies geschieht durch die Auszeichnung innovativer, fortschrittlicher Arbeiten und Projekte in der Erzeugung und Verwendung von Naturfasern.

Die Preise werden in drei Kategorien vergeben: Innovative Produkte/Komponenten oder Anwendungen, innovative Prozesse/Verfahren und Forschung/Wissenschaft.

Weitere Informationen und Bewerbungsunterlagen: DNFI-Website zum Award

Quelle: DNFI

ICA Bremen

ICA Bremen

Stadtlander

Stadtlander

New York Cotton Futures

New York Cotton Futures

Cotton Report

Bremen Cotton Report

Tagungsarchiv

Tagungsarchiv