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21 Jul | U.S. Cotton Trust Protocol: US-Baumwollwirtschaft will führend bei Nachhaltigkeit sein

Dr. Gary Adams

Interview mit Dr. Gary Adams ist Präsident und CEO des National Cotton Council: Das U.S. Cotton Trust Protocol wurde kürzlich von US-amerikanischen Baumwollproduzenten und Industrieverbänden als System zur Bewertung der Baumwollproduktion eingeführt. Damit erhalten amerikanische Baumwollerzeuger die Möglichkeit, ihre aktuellen Produktionspraktiken beurteilen und überprüfen zu lassen. Das U.S. Cotton Trust Protocol dient auch dazu, die Fortschritte im Hinblick auf langfristige Nachhaltigkeitsziele messen zu können.

Dr. Gary Adams ist Präsident und CEO des National Cotton Council, der zentralen Organisation der US-Baumwollindustrie. Im Interview mit dem Bremen Cotton Report erläutert er die Idee hinter der Gründung sowie die Ziele und Zukunftspläne des U.S. Cotton Trust Protocol.

Cotton Report: Was ist das U.S. Cotton Trust Protocol?

Dr. Gary Adams: Das U.S. Cotton Trust Protocol untermauert und verifiziert den Nachhaltigkeitsfortschritt von US-Baumwolle mittels umfangreicher Datenerhebung und die Überprüfung der Ergebnisse durch unabhängige Dritte. Hier werden quantifizierbare und überprüfbare Ziele definiert und deren Umsetzung im Sinne einer nachhaltigen Baumwollproduktion gemessen. Damit unterstützt der Mechanismus die kontinuierliche Verbesserung der wichtigsten Nachhaltigkeitskennzahlen. Mit der Entscheidung für das U.S. Cotton Trust Protocol erhalten Marken und Einzelhändler die Zusicherung, dass die Baumwollfaser in ihrer Lieferkette nachhaltiger und mit geringeren ökologischen und sozialen Risiken angebaut wird.

Wie funktioniert das Protokoll?

Die Mitglieder des Trust Protocols erwerben unsere Baumwolle und erhalten Gutschriften für jedes Kilogramm Baumwollfaser, das im Rahmen des Programms gekauft wird. Diese Gutschrift wird auf dem Trust Protocol-„Konto“ des Erzeugers hinterlegt.

Gleichzeitig wird die Gutschrift dem Ballen zugewiesen, der im Rahmen des elektronischen Ballenidentifizierungssystems (PBI) durch einen Lagerhausbeleg rückverfolgt werden kann.

Nachfolgende Verkäufe von Trust Protocol-Baumwolle innerhalb der Lieferkette führen dazu, dass die Parteien die entsprechende Anzahl von Gutschriften von ihrem Trust-Protocol-Konto auf das Konto des jeweiligen Käufers überweisen.

Sobald ein Endkunde (Marke oder Einzelhandelspartner) in den Besitz eines entsprechenden Guthabens gelangt ist, gilt dieses als verbraucht und ist nicht mehr übertragbar.

Warum haben Sie dieses besondere Projekt gegründet?

Die Nachfrage nach nachhaltiger Baumwolle wächst. Es gibt zwar bereits einige Optionen nachhaltiger Baumwolle, aber keine der bestehenden Initiativen ist auf die besonderen Bedürfnisse von US-Baumwolle ausgerichtet. Das U.S. Cotton Trust Protocol ergänzt bestehende Initiativen. Wir haben eine weltweite Nachfrage von Erzeugern sowie Marken und Einzelhändlern nach einem Programm festgestellt, welches die Fortschritte der US-Baumwolle auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit misst. Dies geschieht durch eine differenzierte Datenerfassung und die Überprüfung durch unabhängige Dritte. Bis heute hat die US-Baumwollindustrie bereits bemerkenswerte Verbesserungen erzielt. Das U.S. Cotton Trust Protocol arbeitet mit Experten zum Beispiel von der Field to Market-Initiative zusammen, um jährlich Daten zu verschiedenen Indikatoren zu sammeln. Die Fortschritte werden durch die unabhängige Zertifizierungsgesellschaft ‚Control Union Certifications‘ bestätigt. Besonders der Umfang an erhobenen Daten zur Bewertung der Nachhaltigkeit macht das Trust Protocol einzigartig. Diese ermöglichen es unseren Mitgliedern, ihre Fortschritte im Hinblick auf die eigenen Nachhaltigkeitsverpflichtungen nachzuweisen. Die USA brauchten ein System, das diese Daten validiert und durch unabhängige Dritte verifiziert. Die Entwicklung des U.S. Cotton Trust Protocol schließt diese Lücke.

Nachhaltigkeit ist ein Schwerpunkt des U.S. Cotton Trust Protocol. Wie definieren Sie Nachhaltigkeit?

Das Ziel des U.S. Cotton Trust Protocol ist es, das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass die Produzenten in den USA ihre Baumwolle verantwortungsbewusst anbauen. Mit Hilfe neuester innovativer Produktionstechniken wird dort qualitativ hochwertige, nachhaltige Baumwolle angebaut. Ziel ist es, das gemeinsame Ökosystem zu schützen. Konkret können die Mitglieder die Daten des U.S. Cotton Trust Protocol nutzen, um ihren Fortschritt im Hinblick auf definierte, wissenschaftlich fundierte Nachhaltigkeitsziele zu dokumentieren. Dazu gehören zum Beispiel auch Fortschritte bei den Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDG) im Rahmen der Agenda 2030 der Vereinten Nationen. Die erhobenen Daten helfen den Erzeugern, die vereinbarten Ziele zu erfüllen, von der Steuerung eines besseren Wasserverbrauchs bis hin zur Maximierung der Baumwollproduktion.

Wofür steht das U.S. Cotton Trust Protocol?

Es ist anzunehmen, dass die Baumwolle, die von den Mitgliedern des U.S. Cotton Trust Protocol produziert wird, repräsentativ für die US-Baumwolle ist. Um als Anbaubetrieb im Rahmen des U.S. Cotton Trust Protocol zu gelten, müssen die Erzeuger sich anmelden und Einzelheiten ihrer Anbaumethoden offenlegen. So kann das Trust Protocol die kontinuierliche Verbesserung messen und überprüfen.

Was sind die Zukunftspläne des Protokolls?

Man kann davon ausgehen, dass aktuell bis zu einer Million Ballen (218.000 Tonnen) Baumwolle der Ernte 2020 durch das System erfasst sind. Wir rechnen mit einer jährlichen Steigerung des Anteils. Das Ziel des Trust Protocols ist es, bis zur Anbausaison 2025 über 50 Prozent der gesamten US-Produktion oder acht Millionen Ballen (1,7 Millionen Tonnen) im Programm zu haben. Außerdem will das U.S. Cotton Trust Protocol die amerikanischen Landwirte dabei unterstützen, ihre Umweltziele für 2025 zu erreichen. Dazu gehören die Verbesserung der Bodennutzungseffizienz um 13 Prozent, die Verringerung der Bodenerosion um 50 Prozent, die Verringerung des Wasserverbrauchs um 18 Prozent, die Erhöhung des Kohlenstoffspeichers im Boden um 30 Prozent und die Reduktion der Treibhausgase um 39 Prozent.

Vielen Dank für das Interview.

Die Interviews im Bremen Cotton Report entsprechen der Meinung des jeweiligen Interviewpartners und geben nicht die Position der Bremer Baumwollbörse als neutrale, unabhängige Institution wieder.

Kategorie: Allgemein

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