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7 Nov | Nachhaltigkeitsmanagement LIDL Deutschland: Heute für Morgen handeln

Interview mit Florian Schütze, Geschäftsbereichsleiter Gesellschaft und Umwelt international, Lidl Deutschland:

Ein gezieltes Nachhaltigkeitsmanagement ist für das Handelsunternehmen Lidl von hoher Bedeutung. In diesem Jahr erschien der Nachhaltigkeitsbericht von Lidl Deutschland für das Geschäftsjahr 2016 – 2017, in dem ausführlich über die Verankerung von Nachhaltigkeit als Leitlinie der Unternehmensstrategie mit Zielen und Maßnahmen informiert wird. Lidl ist Mitglied des Vereins der Bremer Baumwollbörse. Die Redaktion des Bremen Cotton Report ließ sich von Florian Schütze, Geschäftsbereichsleiter Gesellschaft und Umwelt international, über Details des Nachhaltigkeitsansatzes bei Lidl informieren.

Bremen Cotton Report: Herr Schütze, was waren die Gründe für die Ausweitung des Nachhaltigkeitsmanagements bei Lidl in den letzten zwei Jahren?

Florian Schütze: Bei Lidl ist Nachhaltigkeitsmanagement schon seit vielen Jahren Bestandteil der Unternehmensstrategie – wir haben mit dem Nachhaltigkeitsbericht in Deutschland zum ersten Mal umfassend und gebündelt über unsere Aktivitäten Auskunft gegeben.
Was unseren Nachhaltigkeitsansatz angeht, sind wir klar positioniert: Wir haben Lidl-weit seit langem fünf Handlungsfelder identifiziert, in denen wir mit nachhaltigem Handeln nicht nur unser Qualitätsversprechen erfüllen, sondern auch dafür sorgen, dass wir als Unternehmen zukunftsfähig bleiben. Systematisch arbeiten wir deshalb in den Feldern Umwelt, Gesellschaft, Sortiment, Geschäftspartner und Mitarbeiter daran, uns ständig zu verbessern.
Beim Nachhaltigkeitsmanagement setzen wir dort an, wo die Wertschöpfung stattfindet, denn nur so können wir Dinge wirklich verbessern und Ergebnisse erzielen. Wir sehen uns die Vorproduktion bei Rohstoffen und Landwirtschaft genau an. Wir haben die Produktverarbeitung und die Lieferkette im Blick, optimieren unsere eigenen Betriebe und Prozesse etwa in Filiale und Lager. Schließlich gucken wir, was für unsere Kunden und Gesellschaft relevante Themenfelder sind, also etwa Fragen nach Kauf und Entsorgung unserer Produkte.
Alles in allem heißt Nachhaltigkeitsmanagement für uns: Verantwortung für unser Handeln dort zu übernehmen, wo unsere Geschäftstätigkeit Auswirkungen hat.

Was sind Beispiele für ökologische, soziale und wirtschaftlich nachhaltige Handlungsfelder bei Lidl?

Im Handlungsfeld „Umwelt“ reden wir über eine Vielzahl von Themen, die an unterschiedlichen Stellen in der Wertschöpfungskette stattfinden. Wir haben uns als einer der ersten Lebensmittelhändler den Zielen des Greenpeace Detox-Commitment angeschlossen oder optimieren gemeinsam mit unseren Lieferanten den Verpackungseinsatz so, dass wir zukünftig 20 Prozent weniger Plastik bei der Verpackung von Eigenmarken verwenden und den Einsatz von Recyclingtechnologien erhöhen.
Im Handlungsfeld „Sortiment“ geht es uns vor allem darum, unsere Produkte nachhaltiger auszurichten und unseren Kunden das Angebot zu machen, sich für entsprechende Produkte entscheiden zu können. Auch hier reden wir von einer großen Bandbreite an Themen: So sind wir beispielsweise Gründungsmitglied der Initiative Tierwohl und wollen dazu beitragen, die Bedingungen in der Nutztierhaltung systematisch zu verbessern. Wir dokumentieren unser Engagement über anerkannte Nachhaltigkeitssiegel und Labels, so dass der Kunde sich daran orientieren kann.
Im Handlungsfeld „Geschäftspartner“ gestalten wir Maßnahmen, die die Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten auf eine faire und damit langfristig tragbare Grundlage stellen. So haben wir zum Beispiel schon seit 2006 Produkte wie Kaffee oder Schokolade mit Fairtrade-Siegel im Programm, sind seit 2007 BSCI-Mitglied und sind Gründungsmitglied des Bündnisses für nachhaltige Textilien, das ja auch neben Sozialstandards ökologische Aspekte in der Lieferkette adressiert.   

Welche Bedeutung hat Transparenz bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen?

Nachhaltiges Engagement, das nicht transparent ist, ist nicht nachhaltig. Wir stellen deshalb Transparenz am Point of Sale her. Das heißt für den Kunden Rückverfolgbarkeit, Produktkennzeichnungen, Inhalts- und Nährwertangaben, um ihm alle Informationen zu geben, die er für eine bewusste Kaufentscheidung benötigt. Bei uns kann man zum Beispiel eine Liste von über 600 Lieferanten unserer Textil- und Schuhmarken und ihrer Produktionsstätten einsehen – damit waren wir der erste Lebensmittelhändler mit Nonfood-Sortiment, der so etwas angestoßen hat. Transparenz heißt für uns auch, regelmäßig über unsere Aktivitäten Auskunft zu geben, Positionen und Haltungen zu bestimmten Themen zu veröffentlichen und uns auch kritischen Fragen von Organisationen zu stellen.
Unsere Nachhaltigkeitsziele gehen wir selbstverständlich zusammen und in engem Austausch mit unseren Lieferanten an. Wir machen dabei immer wieder die Erfahrung, dass unsere Lieferanten sich gemeinsam mit uns weiterentwickeln und damit letztlich auch wettbewerbsfähiger am Markt agieren können.

Welche Rolle spielt detailliertes Knowhow über Fertigungsprozesse an Produktionsstandorten?

Wenn wir von Nachhaltigkeit sprechen, reden wir unter anderem von der Art und Weise, wie unsere Produkte hergestellt werden. Ohne detailliertes Know-how betrieblicher Abläufe ist eine Beschäftigung mit dem Thema gar nicht möglich. Auf Basis der Kenntnis der Produktionsprozesse erstellen wir spezifische Vorgaben, etwa um Umweltauswirkungen in der Lieferkette zu reduzieren.
Bangladesch und China sind für unsere Schuh- und Textileigenmarken neben weiteren Ländern Asiens wichtige Produktionsländer. Entsprechend liegt in diesen Ländern auch ein Schwerpunkt der Nachhaltigkeitsmaßnahmen. Wir lassen die Umweltleistung der Betriebe durch unabhängige, akkreditierte Institute prüfen. Im Berichtszeitraum 2016/17 wurden 180 Audits durchgeführt.

Welchen Anteil haben Textilien und Bekleidung aus Baumwolle bei Lidl? Welchen Anteil werden Baumwollprodukte in Zukunft haben?

Der Anteil an Baumwolle ist nach wie vor beachtlich. Unser Produktangebot ist sehr stark an der Nachfrage der Kunden ausgerichtet und wechselt kontinuierlich. Wir gehen davon aus, dass Baumwollartikel wegen der angenehmen Eigenschaften und Beliebtheit bei Konsumenten im Bereich der Alltagskleidung ihr derzeitiges hohes Niveau im Angebot halten werden.

Sie wollen den Anteil von Baumwolle aus Projekten mit Nachhaltigkeits­ansatz erhöhen. Sind nach Ihrer Einschätzung ausreichend zertifizierte Textilien verfügbar, damit sie ihre Ziele erfüllen können?

Auch aus Gründen der Transparenz und Glaubwürdigkeit legen wir Wert auf den Einkauf von Produkten, die zertifizierte Baumwolle enthalten. Dabei soll es sich, soweit verfügbar, auch um Biobaumwolle handeln. Faktum ist jedoch, dass es in der Beschaffung bei unseren benötigten Mengen nicht immer leicht ist, ausreichend zertifizierte Produkte zu beziehen. Dies gilt nicht nur für Biobaumwolle, zertifiziert nach dem Global Organic Textile Standard (GOTS), sondern etwa auch für Fairtrade-zertifizierte Baumwolle. Unser Ziel ist es, den Anteil an zertifizierter Baumwolle bis 2020 um 30 Prozent inklusive Biobaumwolle zu steigern.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Interviews in der Rubrik „Nachgefragt“ entsprechen der Meinung des jeweiligen Interviewpartners und geben nicht die Position der Bremer Baumwollbörse als neutrale, unabhängige Institution wieder.

Kategorie: Interviews

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