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24 Mai | CIF Bremen: Anpassungen erhöhen Nutzwert

Axel Trede - Interview zum CIF Bremen Interview mit Axel Trede, Vorsitzender der Preiskommission der Bremer Baumwollbörse:

Seit Einstellung der Terminbörse der Bremer Baumwollbörse Ende 1971 gibt die Börse einen regelmäßigen Preisindex für Baumwolle, die in Deutschland und Europa angeliefert wird, heraus. Im April 2003 wurden die Quotierungen auf CIF Bremen umgestellt und seitdem trägt der Index diesen Namen. Zum 30. Mai 2018 werden einige Parameter des CIF Bremen angepasst. Das nahm die Cotton Report-Redaktion zum Anlass, mit Axel Trede, dem Vorsitzenden der Kommission für Standards, für die Feststellung der Wertdifferenzen und für Preisnotierungen bei der Bremer Baumwollbörse, über den Index und seine Bedeutung zu sprechen. Axel Trede ist Baumwollhändler und Geschäftsführer der Firma Cotton Service International sowie im Vorstand der Bremer Baumwollbörse aktiv.

Bremen Cotton Report: Wie wird der CIF Bremen gebildet?

Axel Trede: Es handelt sich um einen Preisindex, der den Tageswert von Baumwolle auf der Basis CIF Bremen/Nordkontinent abbildet. Er wird aus dem einfachen Durchschnitt der fünf günstigsten Quotierungen verschiedener Herkunftsländer für eine definierte Durchschnittsqualität gebildet. (Bisher USDA Strictmiddling mit einer Faserlänge von 1.3/32 inch). Eine Kommission, bestehend aus aktiv im Baumwollhandel bzw. Qualitätsmanagement tätigen Personen, wertet die anonym eingeholten Preisinformationen aus und ermittelt einen Marktwert, der ausgewogen das Angebots-/Nachfrage-Preisniveau widerspiegeln soll. Es werden nur für nahe Lieferung oder Verschiffung verfügbare Qualitäten und Herkunftsländer berücksichtigt.

Welche Funktion hat der CIF Bremen für die Verwender von Baumwolle?

Der Preisindex ist ein Service der Bremer Baumwollbörse: Er ist gebührenfrei verfügbar und bietet interessierten Parteien, also Produzenten, Ginnern, Händlern, Garn- und Textilherstellern sowie begleitenden Dienstleistern wie Versicherungen, Banken, Spediteuren, Reedereien eine unabhängige und tagesaktuelle Richtlinie hinsichtlich der Baumwollpreisentwicklung. Er gibt auch neutrale Hinweise für Wiedereindeckungswerte, was besondere Bedeutung im Schadensfall oder bei technischen Arbitragen hat. Da Baumwolle ein börsennotiertes Produkt ist, können erhebliche Preisschwankungen innerhalb kurzer Zeit erfolgen.

Was ist die Besonderheit des CIF Bremen gegenüber anderen Preisindizes wie Cotlook A oder den New York Futures?

Der CIF Bremen Index fokussiert sich auf den europäischen Markt, während der Cotlook A auf Quotierungen CFR Fernost basiert. Der Bremen Index hat nur prompt verfügbare Qualitäten im Portfolio, während der Cotlook A auch Herkunftsländer berücksichtigt, die unter Umständen erst Baumwolle in einigen Monaten zur Verfügung stellen. Die quotierten Qualitäten unterscheiden sich nur marginal. Die New York Futures Notierungen hingegen reflektieren in erster Linie nur die Angebots- und Nachfragesituation bzw. den Erntezustand in den Vereinigten Staaten. Diese kann gegebenenfalls erheblich von der Situation vom ‚Rest der Welt‘ abweichen. Viele Länder geben zudem regionale Indizes für prompte Ware heraus, die vor allem die lokalen Gegebenheiten spiegeln.

Zum 30. Mai 2018 erweitert die Kommission ihre Quotierungen um neue Qualitäten. Was sind die Gründe für die geplanten Anpassungen?

Es werden grundsätzlich zwei Neuerungen bzw. Ergänzungen eingeführt, um den Gebrauchswert des Index’ zu erhöhen bzw. den Marktgegebenheiten anzupassen.

Erstens: Es werden in Zukunft drei verschiedene Qualitäten pro Herkunftsland abgefragt und veröffentlicht. Diese entsprechen ungefähr dem traditionellen Einsatzzweck bei Garnherstellern: Strict Middling 1.1/8“ für ringgekämmtes Baumwollgarn, die Middling 1.3/32“ für den kardierten Einsatz und eine Strict Low Middling 1.1/16“ – 1.3/32“ für den Einsatz im Openend-Spinnverfahren. Es besteht damit die Möglichkeit für die Kommission, bestimmte Ernte- bzw. Qualitätsverfügbarkeiten abzubilden. Sollte es zum Beispiel Ernteprobleme in bestimmten Ländern geben, die zu einer Verknappung von hochklassiger Baumwolle und größerer Verfügbarkeit von niedrigen Gradierungen führt, so können die Differenzen für entsprechende Qualitäten angepasst werden. Es kann also entsprechend ein Aufschlag für bessere Qualitäten bzw. ein größerer Abschlag für niedrigere Qualitäten eingeräumt werden.

Zweitens: Die Kommission hält es für angebracht, zur Ermittlung eines ‚Indexpreises‘ eine durchschnittliche Qualität mit einer durchschnittlichen Faserlänge als Grundlage zu nehmen – insofern wird in Zukunft eine Middling 1.3/32“ Qualität als Basis dienen (vorher Strict Middling 1.3/32“).

Wie werden sich die Änderungen auf den Preis auswirken?

Es handelt sich hierbei um eine sehr überschaubare Anpassung, die nur einmal zum Tragen kommt. Es wird eine einmalige Anpassung von ca. 100pts/lb erfolgen, die allein der etwas niedrigen Basisqualität geschuldet ist.

Wie bewerten Sie den aktuell vergleichsweise recht hohen Baumwollpreis? Mit welcher Preisentwicklung rechnen Sie auf mittlere Sicht?

Zu all den variablen, natürlichen Größen wie Wetter oder Ernteentwicklung, kommen dieser Tage noch einige ‚handgemachte‘ Risiken hinzu, insbesondere eventuelle Handelsbarrieren zwischen den USA, China und Europa sowie die Krisen in Korea und dem Nahen Osten. Sollten sich diese ‚neutral‘ auf Rohstoffpreise auswirken, erwarten wir auf mittlere Sicht stabile bis etwas festere Preise, basierend auf der Annahme, dass China seine erheblichen Vorräte auf ein erträgliches Niveau reduziert hat und in Zukunft wieder verstärkt als Baumwollimporteur auftreten wird – wie erwähnt, vorbehaltlich der genannten Unwägbarkeiten.

Vielen Dank für das Gespräch.

Kategorie: Interviews

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